Deutsche Bank in Parmalat-Skandal involviert

- Frankfurt/Rom - Auch die Deutsche Bank ist in den Skandal um den insolventen Lebensmittelkonzern Parmalat involviert. Gegen Mitarbeiter mehrerer Banken wurden Ermittlungen eingeleitet. Dies berichteten italienische Zeitungen und das "Handelsblatt" unter Berufung auf Justizkreise. Unter den Betroffenen sei auch Massimo Armanini, leitender Investmentbanker der Deutschen Bank in Italien. Außerdem soll gegen Mitarbeiter von Citigroup, Bank of America, JP Morgan Chase, Morgan Stanley, Capitolina, Neutra und Banca Popolare di Lodi ermittelt werden.

<P>Die Banker würden verdächtigt, schon lange vor dem Konkurs über die wahre finanzielle Lage des Milch-Riesen informiert gewesen zu sein. Die möglichen Vorwürfe reichen von Kursmanipulation über die Weitergabe falscher Informationen bis hin zur Beihilfe zum betrügerischen Bankrott.<BR><BR>Armanini war zwischen 1998 und 2000 Chef der Nordamerika-Geschäfte von Parmalat und soll besonders enge Beziehungen zur Familie des festgenommenen Parmalat-Gründers Calisto Tanzi gehabt haben. <BR><BR>Die ermittelnde Mailänder Staatsanwaltschaft hatte bereits vor drei Wochen Vertreter der Deutschen Bank aus London angehört. Im Mittelpunkt des Interesses steht eine Anleihe von 350 Millionen Euro, die das Geldinstitut im September für Parmalat aufgelegt hatte. Die Staatsanwälte wollen auch wissen, warum die Bank noch im November ihren Anteil an Parmalat von 2,5 auf 5,1 Prozent verdoppelt hatte, obwohl der Konzern bereits vor der Insolvenz stand. </P><P>Einen Tag vor dem Zusammenbruch des Milchimperiums sei dieser Anteil wieder auf 1,6 Prozent reduziert worden. Die Deutsche Bank betonte stets, dass es sich hierbei um ein Wertpapier-Anleihengeschäft im Auftrag eines Kunden gehandelt habe. Angesichts des Verkaufszeitpunkts schließe die Staatsanwaltschaft Insider-Wissen nicht aus, heißt es im "Handelsblatt". Während die Staatsanwaltschaft im Falle der Deutschen Bank lediglich vom Vorhandensein "privilegierter Informationen" ausgehe, glaubten die Ermittler bezüglich der Bank of America und der Citigroup "extrem belastende" Indizien und Zeugenaussagen in Händen zu halten.<BR><BR>Der unter Korruptionsverdacht stehende leitende Staatsanwalt von Parma, Giovanni Panebianco, bot unterdessen seinen Rücktritt an. Die Vorwürfe könnten die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem betrügerischen Bankrott Parmalats untergraben, erklärte Panebianco, der nicht selbst mit diesem Fall befasst war. In einem Brief an die zuständigen Justizstellen, in dem er um seine Versetzung in den Ruhestand bat, wies Panebianco die Korruptionsvorwürfe zurück. Er soll einen früheren Mitarbeiter Parmalats, der eine örtliche Bank leitete, überredet haben, einem Freund einen Kredit zu gewähren.<BR></P>

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