Deutsche Bank: Primus im Kreuzfeuer der Kritik

- Frankfurt - Stellenabbau, Mannesmann-Prozess und Kapitalismuskritik - die letzte Zeit war für die Deutsche Bank alles andere als erfreulich. Und auch bei der Hauptversammlung des Branchenprimus hagelte es wieder jede Menge Kritik für die erfolgsgewohnten Banker - und das obwohl die Geschäftszahlen, die Vorstandssprecher Josef Ackermann den Aktionären präsentierte, sich durchaus sehen lassen können.

<P>Schuld an dem geballten Unmut war vor allem der geplante Abbau von deutschlandweit 1920 Stellen, der wochenlang die Schlagzeilen dominierte und sogar einen Boykottaufruf zur Folge hatte. Merklich geglättet haben sich die Wogen auch nach Wochen nicht. Mit Pfiffen und Plakaten demonstrierten vor dem Veranstaltungsort rund 100 Betriebsräte der Bank und Vertreter von Verdi für den Erhalt der Arbeitsplätze. "Machen Sie eine Unternehmens- und Personalpolitik, die auf dem Boden des Grundgesetzes steht", forderte Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong und drohte erneut, ansonsten für ein Kündigungsverbot für Unternehmen mit hohen Gewinnen zu kämpfen.<BR><BR>Vor allem die Selbstdarstellung der Bank war es, die bei den Aktionärsschützern heftigen Unmut auslöste - angefangen von der Kommunikation der Stellenstreichungen, dem Streit zwischen Aufsichtsratschef Rolf Breuer und dem Medienunternehmer Kirch, der erst am Wochenende wieder aufgekocht war, bis zur negativen Presse im Zusammenhang mit dem Mannesmann-Prozess. Offenbar habe der Vorstand das Gespür für die Stimmung in Deutschland ein Stück weit verloren, kritisierte DSW-Geschäftsführer Klaus Nieding, der von einem "medialen Gau" sprach. Angesichts des Victory-Zeichens von Vorstandssprecher Josef Ackermann beim Mannesmann-Prozess, der juristischen Auseinandersetzung mit Kirch und der unglücklichen Kommunikation der Stellenstreichungen "muten die Peanuts von Herrn Kopper als ebensolche an", sagte er. Unternehmerisch habe sich die Bank zwar nichts zu Schulden kommen lassen, betonte Aktionärsschützer Hans-Martin Buhlmann. "Aber in der Öffentlichkeitsarbeit machen Sie alles falsch."<BR><BR>Die Deutsche Bank will unterdessen an ihrem Kurs - und auch an den geplanten Stellenstreichungen - festhalten. Der Jobabbau sei "schmerzhaft", räumte Ackermann ein - um die Zukunft des Geldinstituts als international erfolgreiche und unabhängige Bank zu sichern und weiterhin eine führende Rolle auf den globalen Märkten einzunehmen, aber nötig. Er wolle nicht "einen ,Kapitalismus pur und schon gar nicht einen ,Raubtier-Kapitalismus", reagierte Ackermann auf die Kapitalismus-Kritik der letzten Wochen. Gleichzeitig wandte er sich jedoch gegen die Qualität der Debatte und gegen persönliche Angriffe, die er als "beschämend" bezeichnete.<BR><BR></P>

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