Deutsche Bank: Rolf-E. Breuer legt wegen Kirch-Affäre Amt nieder

- Frankfurt - Paukenschlag bei der Deutschen Bank: Der langjährige Vorstands- und Aufsichtsratschef Rolf-E. Breuer wirft das Handtuch bei Deutschlands größter Geschäftsbank. Breuer werde den Aufsichtsratsvorsitz am 3. Mai niederlegen, teilte die Bank am Sonntag nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates mit. Breuer wolle die Bank nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in einem der von Kirch angestrengten Prozesse "von weiteren Diskussionen um seine Person entlasten", hieß es in einer Mitteilung.

Vor fast einem Jahr gab es schon den ersten wirklich herben Rückschlag für den umstrittenen Manager, als er nach wochenlangem Beschuss angelsächsischer Hedgefonds seinen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse ankündigte. Mit dem Rücktritt vom Aufsichtsratsposten zog er die Konsequenz aus der Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Kirch-Prozess. Der BGH hatte am 24. Januar entschieden, dass die Bank und Breuer grundsätzlich für Schäden haften müssten, die der Printbeteiligungs GmbH des Medienunternehmers Leo Kirch aus einem Interview Breuers vom Februar 2002 entstanden sind. In dem umstrittenen Interview hatte Breuer die Kreditwürdigkeit Kirchs bezweifelt.

Das Interview war nach Darstellung Kirchs Ursache für die zwei Monate später eingetretene Insolvenz. Der BGH betonte, das Interview habe die Aufnahme dringend benötigter weiterer Kredite erheblich erschwert. Die Äußerung stelle deshalb eine Verletzung der aus dem Darlehensvertrag folgenden Pflicht dar, die Kreditwürdigkeit des Kunden nicht zu gefährden. Dies gelte auch für Breuer persönlich. Nicht wenige Beobachter hatten einen Rücktritt Breuers schon nach dieser Schelte der Richter erwartet. Über die Höhe eines Schadenersatzes in dem Rechtsstreit wird vermutlich erst in einem weitern Prozess entschieden. Doch klar ist schon jetzt: Kirch wird den Rücktritt Breuers wohl mit einer gewissen späten Genugtuung aufnehmen. "Ich denke, das war überfällig", sagte Kirchs Münchner Anwalt Peter Gauweiler. Als Nachfolger an der Spitze des Kontrollgremiums der Deutschen Bank ist der bisherige Finanzvorstand Clemens Börsig vorgesehen.

Er soll auf der Hauptversammlung am 1. Juni in den Aufsichtsrat gewählt und dann auf der nächsten Sitzung zum Vorsitzenden bestimmt werden. Börsig spielt damit auch eine Schlüsselrolle, falls vorzeitig ein Nachfolger für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gefunden werden muss. Ackermann hatte angekündigt, im Fall einer Verurteilung nach der Neuauflage des Mannesmann-Prozesses von seinem Amt zurückzutreten. Ackermann sprach Breuer, dessen Amtszeit regulär noch bis 2008 lief, seinen Dank aus. Breuer habe die Entscheidung "im besten Interesse der Bank getroffen" und verdiene "ein Höchstmaß an Respekt".

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