Deutsche Bank im Steigflug

- Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr angetrieben vom erfolgreichen Investmentbanking den höchsten Gewinn seit dem Boomjahr 2000 erzielt. Trotz öffentlicher Kritik will Vorstandschef Josef Ackermann an dem Kurs der Bank festhalten, er schloss aber angesichts seiner Rolle als Angeklagter im Mannesmann-Prozess einen Rücktritt nicht völlig aus.

Dies sagte Ackermann bei der Bilanzvorlage der Bank am Donnerstag in Frankfurt. Er habe dem Aufsichtsrat, der den Vertrag des Schweizer Managers einen Tag zuvor bis 2010 verlängert hatte, mitgeteilt, dass er in diesem Fall auf eine Abfindung verzichten wolle: "Wenn ich wegen Mannesmann zurücktrete, bekomme ich keinen Cent."

Die Deutsche Bank steigerte ihren Jahresüberschuss 2005 um 53 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, vor Steuern kletterte das Ergebnis auf 6,4 Milliarden Euro. Unter Ausklammerung der Kosten für den umstrittenen Stellenabbau der Bank und Einnahmen aus dem Verkauf von DaimlerChrysler-Aktien erreichte die so genannte Eigenkapitalrendite ein Niveau von 26 Prozent - nach 18 Prozent im Vorjahr. Das ehrgeizige Ziel Ackermanns von 25 Prozent wurde damit übertroffen.

Der Vorstand kündigte an, die umstrittene Schließung eines offenen Immobilienfonds rückgängig zu machen und Anleger im Fall von Verlusten zu entschädigen. "Es ist notwendig, dass der Fonds wieder geöffnet wird und geöffnet bleibt", sagte Finanzvorstand Clemens Börsig. Er deutete an, dass die Bank den Fonds im Fall von Liquiditätsproblemen unterstützen werde. Der Immobilienbestand des Fonds "grundbesitz-invest" wird derzeit neu bewertet. Ein Ergebnis wird für Ende Februar erwartet. Die vorübergehende Schließung des Fonds im Dezember war von allen Seiten kritisiert worden und stürzte die gesamte Branche in eine Krise.

Alle Anleger, die in den Immobilienfonds vor der Schließung investiert hatten, sollen für mögliche Verluste entschädigt werden. Dafür wurden im Jahresabschluss 2005 Rückstellungen in Höhe von rund 200 Millionen Euro gebildet, sagte Börsig. Bisher hatte es geheißen, dass nur diejenigen, die innerhalb der vergangenen zwei Jahre Anteile erworben hatten, entschädigt werden sollen.

Zum Gewinnschub sagte Ackermann, die Deutsche Bank habe Anschluss an die profitabelsten Finanzhäuser der Welt gefunden. Weiteres Wachstum werde angestrebt, die Rendite sei jedoch auf diesem Stand ausreichend. "Müssen wir besser als die Besten sein? Nein", meinte Ackermann. Die Dividende für 2005 soll um 80 Cent auf 2,50 je Aktie steigen.

Vor einem Jahr war der 57-jährige Banker von Gewerkschaften und Politikern scharf angegriffen worden, weil er trotz kräftig gestiegener Gewinne an einem drastischen Stellenabbau festhielt. Bis Ende 2005 sei mit 5900 von 6400 Mitarbeitern eine Einigung über ihr Ausscheiden erzielt worden, hieß es. In Deutschland sollen in Verwaltung und Abwicklung 2300 Beschäftigte gehen. Dafür würden zum Beispiel im Privatkundengeschäft neue Mitarbeiter eingestellt. Netto sollen in diesem Jahr in Deutschland 500 neue Arbeitsplätze entstehen.

Die Gewerkschaft ver.di protestierte am Donnerstag gegen den laufenden Stellenabbau. Die Personalpolitik sei "unverantwortlich und unmoralisch", hieß es auf einem Flugblatt. Die Deutsche Bank beschäftigte zum Jahresende weltweit 63 427 Mitarbeiter, davon 26 336 in Deutschland. Auf dem Höhepunkt 2000 waren es insgesamt noch 89 784 gewesen.

Ackermann wies Spekulationen zurück, die Deutsche Bank solle in eine Investmentbank und ein Geldinstitut für Privatkunden aufgespalten werden: "Wir sind eine Bank, und wir benötigen das Privatkundengeschäft dringend", sagte der Manager, der nach dem Beschluss des Aufsichtsrats nun Vorstandsvorsitzender ist statt wie bisher Vorstandssprecher. Die Sparte Investmentbanking, zu der unter anderem der Wertpapierhandel und die Beratung bei Fusionen zählen, erzielte 2005 ein Rekordergebnis und steuerte 62 Prozent der Gesamterträge bei.

In Deutschland erwirtschaftete die Bank nur noch 27 Prozent der Erträge. Kritiker hatten Ackermann vorgeworfen, den Heimatmarkt zu vernachlässigen. Er wies dies am Donnerstag zurück. Ziel der Bank sei es, die Position in Deutschland weiter zu festigen.

Der Aktienkurs der Deutschen Bank fiel nach anfänglichen Steigerungen zwischenzeitlich um 1,72 Prozent auf 88,15 Euro, während der Deutsche Aktienindex (DAX) nur geringfügig einbüßte. Von Analysten hieß es, der Branchenprimus habe zwar von hohen Zuwächsen im Kapitalmarktgeschäft und einem deutlichen höheren Finanzanlageergebnis profitiert, zugleich berge die weiter gestiegene Abhängigkeit vom Kapitalmarktgeschäft aber auch Risiken.

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