Deutsche Bank verteidigt Pläne

- Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank steht trotz anhaltender Kritik zum Abbau tausender Stellen zur Steigerung ihres Gewinns. "Wir wollen uns aus Deutschland heraus als eine der Top-Banken der Welt etablieren", sagte Vorstandssprecher Josef Ackermann bei der Hauptversammlung am Mittwoch in Frankfurt. Die Bank ist dabei, trotz Milliardengewinnen weltweit 6400 Stellen zu streichen. Gegen den geplanten Abbau von netto 1920 Stellen in Deutschland protestierten rund 150 Mitarbeiter der Bank vor der Festhalle.

<P>Aktionärsvertreter rügten die Kommunikation der Bank in der Arbeitsplatzfrage, lobten aber zugleich die guten Zahlen des größten deutschen Geldhauses.<BR><BR>Ackermann versicherte: "Weder mir noch meinen Kollegen im Vorstand fällt es leicht, Stellenkürzungen vorzunehmen." Doch es gebe keine Alternative: "Wir können es uns nicht leisten, erst dann zu handeln, wenn wir rote Zahlen schreiben." Ackermann betonte: "Es geht uns nicht um kurzfristige Gewinnmaximierung."<BR><BR>Für die Zukunft setzt der Branchenprimus vor allem auf organisches Wachstum. Im ersten Quartal 2005 hatte die Deutsche Bank ihren Gewinn überraschend deutlich um 17 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gesteigert. "Wir haben uns vorgenommen, in erster Linie aus eigener Kraft zu wachsen", sagte Ackermann. Zukäufe schloss er nicht aus. Bis zum Jahresende will Ackermann die Eigenkapitalrendite der Bank vor Steuern und Restrukturierungsaufwand auf 25 Prozent steigern.<BR><BR>Auch Aufsichtsratschef Rolf Breuer verteidigte den Stellenabbau zu Gunsten einer höheren Rendite. Der internationale Wettbewerb zwinge die Bank zu mehr Effizienz. "Andernfalls besteht das Risiko, in den heutigen, globalen Märkten schnell zur Aufgabe der Selbstständigkeit gezwungen zu werden", warnte Breuer.<BR><BR>Die Gewerkschaft ver.di erneuerte ihre Kritik. "Wir sind nicht damit einverstanden, dass Gewinne und Renditen zu Lasten der Beschäftigten gesteigert werden", sagte Margret Mönig-Raane, die ver.di im Aufsichtsrat der Deutschen Bank AG vertritt. Der Gesamtbetriebsrat forderte die Anteilseigner in einem Brief auf, ihn "bei der nachhaltigen Sicherung der Arbeitsplätze" zu unterstützen.<BR><BR>Nach Auffassung vieler Aktionäre haben die Manager der Bank vor allem bei der Bekanntmachung der Abbau-Pläne versagt. "Die Deutsche Bank macht alles richtig, aber in der Öffentlichkeitsarbeit macht sie alles falsch", sagte der Vorsitzende der Vereinigung institutioneller Privatanleger, Hans-Martin Buhlmann. Ackermann hatte die Pläne zum Abbau tausender Stellen Anfang Februar gleichzeitig mit einem Milliardengewinn für 2004 öffentlich gemacht. <BR><BR>Ein solches "Kommunikationsdesaster" dürfe sich nicht wiederholen, mahnte der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Klaus Schneider. Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach von einem "medialen GAU" und befand: "Die Intensität der öffentlichen Fehltritte unseres Führungspotenzials hat in den letzten Jahren zugenommen."<BR><BR>Zugleich lobten die Aktionärsvertreter die guten Zahlen der Bank und deren Strategie. "Wir brauchen in Deutschland wenigstens eine starke Großbank, die in der Lage ist, international in der Champions League mitzuspielen", sagte DSW-Vertreter Nieding. Ackermann versicherte: "Deutschland ist und bleibt unser Heimatmarkt."<BR><BR>Kurz nach Beginn der Hauptversammlung scheiterte ein Antrag eines Anwalts von Ex-Medienunternehmer Leo Kirch zur Abwahl Breuers als Versammlungsleiter klar. Breuer hatte sich als Vorstandschef der Bank öffentlich zur Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe geäußert und damit nach Ansicht Kirchs den Zusammenbruch des Unternehmens ausgelöst. Kirch trat daraufhin eine Prozesslawine gegen die Bank los.</P>

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