Deutsche Banken haben Milliardenrisiken in Büchern

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Frankfurt/Main (dpa) - Die deutschen Banken haben laut einer Studie faule Kredite von rund 200 Milliarden Euro in ihren Büchern. Diese Zahl nennt die Unternehmensberatung Ernst & Young in einer in Frankfurt veröffentlichten Studie.

Dabei geht es um Ausfallrisiken aus Darlehen deutscher Banken, nicht um Engagements im angeschlagenen US-Hypothekenmarkt. Wegen des Misstrauens der Banken untereinander sei der Handel mit diesen so genannten notleidenden Krediten, die voraussichtlich von den Schuldnern nicht zurückgezahlt werden, im vergangenen Jahr eingebrochen. 2007 hätten die deutschen Banken solche Kredite im Wert von rund 6,5 Milliarden Euro verkauft, das war weniger als halb so viel wie im Rekordjahr 2006 mit 14,4 Milliarden Euro. Auch Bundesbankpräsident Axel Weber und EU-Finanzkommissar Joaquín Almunia sehen den Höhepunkt der Finanzkrise noch nicht erreicht.

Es sei "noch zu früh, Entwarnung zu geben", sagte Notenbankchef Weber der "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe). Die Vertrauenskrise sei noch nicht überstanden. "Solange der Preisverfall am US- Immobilienmarkt anhält, muss mit weiteren Turbulenzen gerechnet werden." Weber forderte die Vorstände der großen Banken auf, das verloren gegangene Vertrauen der Märkte zurückzuerlangen. "Es ist leider viel Vertrauen verspielt worden. Das gilt es schnellstens zurückzugewinnen. Das wirksamste Rezept ist Offenlegung der Risiken und Transparenz an den Finanzmärkten", sagte Weber.

National wie international sind nach Ansicht des Bundesbankchefs zuallererst die Banken selbst gefordert. "Banken, die hohe Risiken eingegangen sind, müssen ihre Verluste offenlegen. Die Eigentümer dieser Banken, egal ob staatlich oder privat, müssen diese Verluste tragen, sonst werden keine Lehren aus der Krise gezogen", sagte der Weber der "Bild"-Zeitung. Zugleich warnte er vor einem übereilten Eingreifen des Staates: "Allgemein ist der Staat nur dann gefordert, wenn es darum geht, eine Krise des Gesamtsystems abzuwenden. Unser deutsches Finanzsystem ist im Kern jedoch robust."

EU-Kommissar Almunia sagte der "Frankfurter Rundschau" (Mittwoch): "Wir haben noch immer keinen Überblick über das gesamte Ausmaß der Verluste und es fehlt immer noch an Vertrauen in die Banken." Der EU- Kommissar wies Klagen über den starken Euro zurück. Er helfe vielmehr, die gestiegenen Preise von Importgütern wie zum Beispiel Öl zu dämpfen. Einzelne exportorientierte Unternehmen hätten durch den hohen Kurs der Gemeinschaftswährung große Probleme. "Aber die Mehrzahl der Branchen hat diese Schwierigkeiten nicht", sagte Almunia der Zeitung.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin rechnet nach Medienberichten im Geschäft mit zweitrangigen US-Hypotheken (subprime) mit Verlusten in der Kreditwirtschaft von weltweit bis zu 600 Milliarden Dollar. In den vergangenen Tagen hatten mehrere Banken neue Milliardenlöcher im Zuge der Finanzmarktkrise mitgeteilt. Die Deutsche Bank muss im ersten Quartal 2008 weitere 2,5 Milliarden Euro abschreiben - mehr als im gesamten vergangenen Jahr mit 2,3 Milliarden. Die Schweizer Großbank UBS erwartet für das erste Quartal Abschreibungen von 19 Milliarden Dollar (12 Mrd Euro) und ist damit eine der am schwersten getroffenen Banken.

Damit wird klargestellt, dass die Studie sich mit notleidenden Darlehen auf dem deutschen Markt beschäftigt, die nicht in direktem Zusammenhang mit der US-Hypothekenmarktkrise stehen.)

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