Deutsche BenQ-Chefs wussten offenbar früh von der Schieflage

- München ­ Wusste das deutsche BenQ-Management schon sechs Wochen vor dem Aus von der Pleite des Handy-Herstellers? Diese Frage ist mittlerweile umstritten. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

Entgegen bisheriger Beteuerungen wusste das Management des Pleite gegangenen Münchner Handyherstellers BenQ offenbar frühzeitig von der prekären Lage des eigenen Unternehmens. "Wir haben null Budget mehr", hat der Finanzchef der deutschen BenQ-Tochter, David Wang, bereits Mitte August 2006 firmenintern an den heimischen BenQ-Chef Clemens Joos geschrieben. Das bestätigte ein BenQ-Sprecher. Dennoch hatten Joos und Topmanager des Mutterkonzerns in Taiwan in der Folge von Sanierungserfolgen und Festhalten an der Münchner Tochter gesprochen.

Als Ende September dann Insolvenzantrag für sie gestellt werden musste, weil BenQ in Taiwan alle Finanzhilfen für ihre deutsche Tochter eingestellt hatte, gaben sich Joos und Mitmanager überrascht. "Das ist eine Entscheidung, mit der wir nicht gerechnet haben", ließen sie damals mitteilen. Das stimme und sei kein Widerspruch zu der Mitte August noch selbst gegebenen, kritischen Lageeinschätzung, beteuerte ein BenQ-Sprecher in München. "Die scharfe Mail" von Wang sei als Hilferuf an den Mutterkonzern zu verstehen gewesen. Dieser habe dann auch gut eine Woche später am 24. August gegenüber Analysten und per öffentlicher Mitteilung eine weitere Finanzspritze über 400 Millionen Dollar zugesagt. Das habe das Münchner Management beruhigt. Die Summe sei verplant worden, aber nie geflossen.

Umstritten ist, ob die Münchner BenQ-Manager diese Hilfszusage wirklich ernst genommen haben. "In den Nachrichten heißt es, BenQ habe uns 400 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Das ist nicht wahr", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" aus einer weiteren E-Mail Wangs. BenQ habe lediglich rechtliche Voraussetzungen für neue Hilfen geschaffen. Ob das Geld jemals komme, sei unklar. Ein BenQ-Sprecher wollte diese zweite Mitteilung nicht kommentieren.

Unmittelbare Konsequenzen für die Beschäftigten von BenQ haben diese pikanten Details nicht. Das sei "Vergangenheitsbewältigung", ließ der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Prager mitteilen. Der schließt sich nun auch der Staatsanwalt an. Man habe Ermittlungen weggen des Verdachts auf verspätete Insolvenzantragstellung sowie auf verschiedene Bankrottdelikte gestellt, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld der "SZ".

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