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Deutsche Börse jetzt allein in Europa

- Frankfurt ­ - Nach mehr als sechs Jahren intensiver und am Ende erfolgloser Bemühungen, einen Fusionspartner zu finden, hat die Deutsche Börse ihre bisher größte Niederlage erlitten. Reto Francioni, der Schweizer Chef des Frankfurter Börsenkonzerns, muss das wichtigste Projekt seiner erst einjährigen Amtszeit begraben: den Zusammenschluss mit Euronext, der eine europäische Mega-Börse aus der Taufe heben sollte.

Es ist nicht der erste Patzer der Frankfurter und es ist auch nicht ihr erster mit Blick auf den westlichen Nachbarn. Bereits 2003 und 2004 hatte Francionis Vorgänger Werner Seifert in Paris Annäherungsversuche gestartet, die intern die Codenamen "Antibes" und "Edelstein" trugen. Auch er biss sich am Ende an dem cleveren Euronext-Chef Jean-François Théodore die Zähne aus. Seifert nahm anschließend nochmals einen Übernahmeversuch der London Stock Exchange (LSE) in Angriff, musste aber nach den Protesten von Großaktionären seinen Hut nehmen.

In seinen Memoiren beschreibt Seifert, der heute als Jazz-Musiker in Irland lebt, Théodore als "gewandt und gebildet, geistreich und bescheiden". Es ist nicht anzunehmen, dass Nachfolger Reto Francioni gestern ähnlich anerkennende Gedanken für seinen Widersacher durch den Kopf gingen. Zuletzt war allen klar: Zwischen Francioni und Théodore stimmte die Chemie nicht, und das immer großzügigere Angebot der Deutschen fand in Paris nie wirklich Gehör.

Francioni sitzt nun in der Falle: Die Deutsche Börse ist zwar wirtschaftlich so erfolgreich wie nie, doch als oberster Börsianer weiß der Manager wie kein anderer, dass die Kursentwicklung einer Aktie sich an den Zukunftsaussichten orientiert. Und die haben sich für die Deutsche Börse deutlich eingetrübt. "Momentan ist sie ­ zumindest bei den Kassamärkten ­ auf den Rang einer Regionalbörse herabgesunken", kommentierte die "Börsen-Zeitung".

In die globale Börsenlandschaft ist in den letzten Monaten Bewegung gekommen: Die amerikanische Nasdaq beteiligte sich an der Londoner LSE, die beiden großen Terminbörsen CME und CBOT aus Chicago wollen sich zusammenschließen, die New York Stock Exchange warb ­ anscheinend mit Erfolg ­ um Euronext. Die Deutsche Börse blieb als einziger großer Konkurrent außen vor. Und nun teilten gestern auch noch große Investmentbanken mit, dass sie ihre eigene europaweite Handelsplattform für Aktien aufbauen wollen. Damit wollen die Institute, die etwa für die Hälfte des europäischen Geschäfts an den Börsen verantwortlich sind, Aktien europaweit handelbar machen und ihre Kosten senken.

Größere Handelsplätze, so lautet eine Faustregel, ziehen mehr Liquidität an ­ was auch bedeutet, dass es für andere schwieriger wird, ihre Gewinne weiter zu steigern. Die Deutsche Börse könnte dies dadurch ausgleichen, dass sie in Bereichen abseits des Handels ­ bei der Verrechnung und Abwicklung von Wertpapiergeschäften, ihrer derzeit größten Sparte ­ international weiter zulegt. Glanz und Gloria für den Finanzplatz Frankfurt wären damit kaum verbunden: Die Abwicklungssparte Clearstream hat ihren Sitz in Luxemburg.

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