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Deutsche Börse und NYSE kämpfen um Fusion

Frankfurt - Für ihre geplante Megafusion brauchen die Deutsche und die New Yorker Börse grünes Licht aus Brüssel. Weitere Zugeständnisse sollen jetzt den Weg ebnen. Der Zeitplan gerät durcheinander.

Die Deutsche Börse und die NYSE Euronext kämpfen verzweifelt um die Genehmigung ihrer geplanten Megafusion. Um den milliardenschweren Deal zu retten, haben die Börsenbetreiber den EU-Wettbewerbshütern weitere Zugeständnisse gemacht. Dadurch verlängert sich die Prüfungsfrist durch die EU bis zum 9. Februar 2012, wie die Unternehmen am Dienstag in Frankfurt und New York mitteilten. Zuletzt war ein Abschluss am 23. Januar erwartet worden. Die EU-Kommission bestätigte die Verlängerung der Frist. Die Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia betonte, dass noch keine Entscheidung gefallen sei.

Die Unternehmen kämpfen derzeit an zwei Fronten: Neben der EU-Kommission hat auch die hessische Börsenaufsicht Bedenken gegen den Deal. Dennoch rechnen die Unternehmen mit einem Abschluss der Fusion noch im ersten Quartal 2012. Mitte November hatten sie allerdings noch gehofft, ihren Zusammenschluss in diesem Jahr unter Dach und Fach zu bekommen.

Die EU-Kommission hatte Anfang Oktober vor allem Bedenken beim Derivatehandel angemeldet, wo die neue Megabörse eine starke Stellung hätte. Hier machten die Unternehmen weitere Zugeständnisse. Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX soll nun das gesamte Aktienderivategeschäft der zur NYSE Euronext gehörenden Terminbörse Liffe verkauft werden. Bislang waren die Amerikaner bereit, ihr Europa-Geschäft mit Derivaten auf Einzelaktien abzugeben. Dem Käufer dieses Geschäftsbereichs soll die Möglichkeit eingeräumt werden, das Verrechnungs- und Abwicklungssystem Eurex-Clearing zu nutzen, erklärten die Unternehmen.

Die beiden Börsen sind auch bereit, Wettbewerbern, die Zinsderivate einführen wollen, eine Lizenz für das Eurex-Handelssystem der Deutschen Börse zu erteilen. Nach Einschätzung von DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr dürften die Zugeständnisse die Umsätze um weniger als fünf Prozent belasten.

Eine Fusion um jeden Preis hatte der Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni, am Wochenende ausgeschlossen. Falls die Bedingung für die Genehmigung wäre, eine der beiden Terminbörsen, Eurex oder Liffe, zu verkaufen, “dann würden signifikante Vorteile der Fusion fehlen“, sagte Francioni in einem Interview.

Geben die EU-Wettbewerbshüter grünes Licht für den Deal, ist die hessische Börsenaufsicht am Zug. Der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) meldete jüngst allerdings “börsenrechtliche Bedenken“ an. Das Ministerium ist die zuständige Aufsichtsbehörde für den Handelsplatz und kann die Fusion untersagen, wenn sie die Fortentwicklung der Börse für gefährdet hält.

Der Minister hat Sorge, dass die Deutsche Börse nach einer Fusion zugunsten der NYSE Euronext ausgezehrt werden könnte. Als abschreckendes Beispiel gilt die Übernahme der Pariser Euronext durch die NYSE 2007. Inzwischen gilt die Euronext als US-dominiertes Unternehmen. Nach den Fusionsplänen soll NYSE-Chef Duncan Niederauer Lenker der weltgrößten Börse werden, dafür stellen die Frankfurter zumindest vorerst die Mehrheit im wichtigen Verwaltungsrat.

dpa

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