Deutsche Börse will Fusion mit Euronext

- Frankfurt/Main - Die Übernahmeschlacht um die europäischen Börsenbetreiber geht in eine neue Runde. Die Deutsche Börse will jetzt mit der Vierländerbörse Euronext fusionieren, nachdem 2005 die Übernahme des Konkurrenten London Stock Exchange gescheitert war. Konkrete Verhandlungen würden nun aufgenommen, kündigte die Deutsche Börse am Mittwoch an, nachdem die Euronext am Vortag ihre Bereitschaft zu Gesprächen erklärt hatte. Eine ganze Reihe von Fragen, darunter der Sitz des neuen Unternehmens, sind aber noch offen und gelten als umstritten. Der Marktwert der beiden Unternehmen liegt zusammengerechnet bei mehr als 19 Milliarden Euro.

"Die Deutsche Börse will konkrete Verhandlungen mit dem Management von Euronext aufnehmen, um einen Zusammenschluss der beiden Unternehmensgruppen als Partner mit dem Ziel zu erreichen, einen weltweiten Marktführer in der Branche zu schaffen", hieß es in einer Mitteilung in Frankfurt. Nach Angaben einer Sprecherin würde einer der weltweit größten Börsenbetreiber entstehen. Zugleich bekräftigte die Deutsche Börse, für den Londoner Handelsplatz derzeit kein Gebot abzugeben.

Die Deutsche Börse hatte unter ihrem damaligen Chef Werner Seifert die Übernahme der Londoner Börse versucht, war aber am Widerstand der eigenen Aktionäre gescheitert. Daraufhin war Seifert abgelöst worden. Am Freitag hatte die auf Technologiewerte spezialisierte US-Börse NASDAQ ein informelles Gebot für die Londoner Börse (LSE) von 2,4 Milliarden Pfund oder 950 Pence je Aktie abgegeben. In der Branche wird zudem spekuliert, dass auch die New York Stock Exchange für die LSE bieten könnte.

Euronext-Chef Jean-Franois Thodore hatte sich am Dienstag zu Gesprächen mit der Deutschen Börse bereit erklärt. Als "Basis für substanzielle Gespräche" mit Frankfurt nannte Thodore allerdings seine bisherigen Fusionsbedingungen. Euronext besteht darauf, dass die neue Gesellschaft ihren Sitz nicht in Frankfurt, sondern in Amsterdam hat. Der seit November amtierende Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni hatte dagegen vorgeschlagen, die Zentralfunktionen sollten in Frankfurt angesiedelt werden. Zudem ist unklar, welche Handelsplattform genutzt werden soll und wie die Zukunft der TerminMärkte beider Gesellschaften aussieht. Nach Vorstellung Francionis können sich die Termin-Märkte ergänzen, ohne dass kartellrechtliche Probleme entstehen.

Francioni hatte im Februar angekündigt, eine Fusion unter Partnern mit der Euronext anzustreben, die vor allem aus den Börsen in Paris, Lissabon, Brüssel und Amsterdam besteht. Die Deutsche Börse hat unter anderem wegen ihres breiter aufgestellten Geschäftsmodells rund 70 Prozent mehr Umsatz, rund 75 Prozent mehr Gewinn und wird auch am Aktienmarkt rund 70 Prozent höher bewertet.

Die Aktien beider Unternehmen eilten in den vergangenen Wochen getragen von immer neuen Fusionsspekulationen von einem Rekordhoch zum nächsten. Am Dienstag hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac eine mögliche Fusion als "interessantes Projekt" bezeichnet.

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