Deutsche Bosse gar nicht so übel: Andere kassieren weit kräftiger ab

- Frankfurt - Auf Hauptversammlungen haben die großen Fondsgesellschaften ihre lang geübte Zurückhaltung aufgegeben. Besonders üppige Bonus-Programme für durchschnittliche Leistungen deutscher Vorstände hat Union-Investment ins Visier genommen. Denn sie machen zwar die Bosse reich, doch die Anleger ärmer. Im europäischen Vergleich allerdings wirken die Dax-Bosse regelrecht bescheiden.

<P class=MsoNormal>Verglichen hat die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken die Unternehmen, die im Euro-Zonen-Index Euro-Stoxx 50 gelistet sind. An der Spitze mit der Note 1,7 (die Skala reicht von 1 bis 5) stehen BASF und die niederländisch-britische Unilever. Die ist aber das einzige nicht-deutsche Unternehmen in der Spitzengruppe.</P><P class=MsoNormal>Auch Eon (2,1), Bayer (2,4), Allianz (2,5) und Münchener Rück (2,5) zeichnen sich durch gute Bewertungen aus. So sind die Programme überschaubar, in deren Rahmen die Unternehmen ihren Chefs Aktien zu besonders günstigen Bedingungen überlassen, "sehr klein" lautete bei allen sechs Spitzenreitern das Urteil. Das Aktienkapital wird also kaum verwässert.</P><P class=MsoNormal>Auch müssen diese Unternehmen sich deutlich besser schlagen als die vergleichbaren Konkurrenten, bevor die Chefs Aktienoptionen einstreichen können. Doch ganz weiß bleibt auch die Weste der Spitzenreiter nicht. Die Anforderungen an die absolute "Performance" der Aktie liegt irgendwo zwischen Inflationsrate und Festgeldzinsen. Selbst wenn sie ihren Anlegern keinerlei Freude machen, können die Bosse dafür Prämien einstreichen. Lediglich Allianz und Bayer retten sich unter den Spitzenreitern in diesem Bereich auf die Note 3.</P><P class=MsoNormal>Doch was ist das schon im Vergleich zu den Usancen im französischen Telekommunikationskonzern Alcatel (Note 4,8): Dort haben sich die Bosse mit Ablauf des Optionsprogramms 10 Prozent der ganzen Firma unter den Nagel gerissen. Was sie dafür leisten müssen, wollen sie den Aktionären und der Öffentlichkeit lieber gar nicht erst sagen. Im Zweifelsfall also nicht viel. So schrammt Alcatel nur um 0,2 Notenstufen an der theoretisch schlechtestmöglichen Bewertung vorbei.</P><P class=MsoNormal>Nur marginal besser schneiden der ebenfalls französische Luxushersteller LVMH und die Socié´té´ Gé´né´ral ab. Beide stellen an das Management so gut wie gar keine Anforderungen, bevor sie dieses reich beschenken. Allerdings reicht der Grad der Aktionärs-Enteignung nicht ganz so weit wie bei Alcatel.</P><P class=MsoNormal>Die Selbstverständlichkeit, dass Bosse selbst auch ein wenig investieren müssen, bevor sie üppig Aktien geschenkt bekommen, gilt bei ihnen auch nicht. Keinen Cent eigenen Geldes, müssen die Chefs der französischen Schlusslichter in die Hand nehmen. Diese Unsitte teilen sie aber mit 35 der 50 größten Unternehmen im Euroraum.</P><P class=MsoNormal>Wären nicht die beiden Ausreißer Nokia (Finnland) und SAP (Deutschland), wären die Franzosen auf den zehn letzten Plätzen unter sich. Nur die wenigsten Unternehmen der Grande Nation schaffen es noch ins Mittelfeld. Darunter Sanofi-Synthé´labo und Saint Gobain. Dagegen schaffen es die meisten niederländischen Firmen ins vordere Mittelfeld und auch die Spanier und Italiener verlangen ihren Bossen für die reichliche Entlohnung einiges ab. So rangieren die spanische Ölgesellschaft Repsol, die Telefó´nica sowie die italienische Versicherungsgruppe Generali noch vor der Deutschen Bank, Volkswagen Daimler-Chrysler und Siemens.</P>

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