Deutsche Bosse: Spitzengehalt auch bei magerer Leistung

- München - Zweifel gibt es seit geraumer Zeit, doch nun sind sie wissenschaftlich unterlegt: Viele Konzernchefs sind ihr Geld nicht wert, ergab eine Studie des Manager Magazins. Man findet darin die üblichen Verdächtigen: Allen voran Josef Ackermann, der beim Gehalt mit 10,081 Millionen Euro (mit Aktienoptionen) an der Spitze steht, der aber den Aktionären nicht viel Freude macht.

Nach Abzug der Eigenkapitalkosten blieb die Eigenkapitalrendite ebenso negativ wie eine vom Manager Magazin mithilfe der Universität Halle-Wittenberg errechnete Kombination aus Kursentwicklung und Dividende. Im Vergleich der größten europäischen Unternehmen reichte es nur für einen blamablen vorletzten Platz.Doch man findet auch Namen, die man selten hört: Gerhard Bruckermann zum Beispiel. Der 57-Jährige ist Boss der Depfa-Bank. Die ehemalige Staatsbank ist im deutschen Nebenwerte-Index M-Dax notiert. Doch beim Gehalt liegt Bruckermann auf Platz 8 der europäischen Hitliste - nur die Bosse von UBS, Credit Suisse, Novartis, BP, Vodafone, Deutsche Bank und Roche bekommen mehr. 7,377 Millionen Euro streicht der Chef des Instituts mit Sitz in Dublin ein. Doch auch seine Vorstandskollegen können leben: Über 34 Millionen Euro bekommt der ganze Vorstand. Gemessen daran sind die Erfolge bescheiden: 13,9 Prozent Eigenkapitalrendite und 5,6 Prozent Rendite für die Anleger, damit schwimmen die Spitzenverdiener beim Leistungsvergleich im M-Dax-Mittelfeld. Maß der Dinge im M-Dax ist bei gleicher Eigenkapitalrendite der Düngemittelkonzern K + S. Zwar hat auch der Rohstoffboom beim Kurs- und Dividenden-Plus von 75,6 Prozent für Rückenwind gesorgt. Doch sind die Bezüge des Firmenlenkers vergleichsweise bescheiden: 733 000 Euro kassierte er 2004 (ohne Optionen).Nur ein Unternehmen im Dax schlägt sich ähnlich gut: Continental schafft eine Eigenkapitalrendite von 19,9 Prozent und eine Aktienwertentwicklung (Kurs und Dividende) von 49,4 Prozent.Nicht immer ist Unbescheidenheit der Chefs Ursache des Misserfolgs. Dieter Rampl liegt mit 1,2 Millionen nahe dem unteren Ende der Dax-Verdiensthitliste. Doch die Altlasten seiner HypoVereinsbank schleuderten Rampl auf den vorletzten Platz. Noch schlechter steht Wolfgang Ziebart von Infineon da. Im September 2004 übernahm er das Ruder. Doch er muss sich die Entwicklung des ganzen Jahres, und das üppige Salär (2,7 Millionen Euro) von Vorgänger Ulrich Schumacher, zurechnen lassen: Null Punkte für den Quereinsteiger, der ausgerechnet vom Klassenprimus Continental aus Hannover nach München wechselte.Insgesamt stehen die Münchner Dax-Unternehmen nicht gut da: Fünf von sieben finden sich auf den acht hintersten Plätzen wieder. Neben Infineon (Platz 30) und HypoVereinsbank (Platz 29) stecken Allianz (Platz 27), Siemens (Platz 24) und Münchener Rück (Platz 23) im roten Bereich: Die Eigenkapitalrendite ist negativ, ebenso der Ertrag, den die Aktionäre verbuchen konnten. Die Bosse darbten derweil nicht: Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard brachte es laut Manager Magazin auf 1,817 Millionen Euro, der damalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer auf 2,796 und Allianz-Chef Michael Diekmann auf 2,556 Millionen.Immerhin ins Mittelfeld retteten sich die beiden weiteren Münchner Unternehmen. MAN kam dank einer erfreulichen Kursentwicklung immerhin auf Platz 13 - wofür der damalige Chef zurückhaltende 1,348 Millionen Euro bekam. BMW landete auf Platz 16. Dabei errechnete das Manager Magazin für den Vorstandschef Helmut Panke ein Gehalt von 3,085 Millionen Euro. Beide Unternehmen liegen aber in der Fahrzeugbranche an der Spitze. Die Konkurrenten Daimler-Chrysler und Volkswagen schafften es nur auf die Plätze 25 und 28. Das ließ sich Daimler-Boss Jürgen Schrempp mit 4,5 Millionen Euro vergüten. VW-Chef Bernd Pischetsrieder kam auf 2,631 Millionen.

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