Deutsche Brauer machen dicht: Nur jeder Dritte fit für die Zukunft

- München - Die Zukunft des deutschen Bieres ist trüb. Zwei Drittel der Brauereien werden bis 2015 dichtmachen, prophezeit die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in einer Studie. Diejenigen davon, die den Braukessel nicht trocken legen, werden aufgekauft oder müssen fusionieren. Besonders hart wird es kleine und mittelständische Unternehmen treffen. Am Ende werden "internationale Großbrauereien den deutschen Biermarkt beherrschen".

<P>Die große Zeit des deutschen Bieres begann in den 70er Jahren. Damals trank jeder Bundesbürger im Schnitt knapp eine Halbe pro Tag - über 145 Liter pro Jahr. Heute sind es nur noch gut 120 Liter. Und 2015 wird der Bierkonsum laut der Studie unter 100 Liter fallen. Hinzu kommt die rückläufige demographische Entwicklung. Sie brächte eine Schrumpfung des Marktes um 2,5 Millionen Hektoliter.</P><P>Auch die Gastwirtschaften mit hohem Bierkonsum würden immer seltener. "Stattdessen verzeichnen die für den Bierkonsum weniger bedeutenden Bereiche der System- und Erlebnisgastronomie große Zuwächse." Dies alles werde dazu führen, dass der Bierausstoß der deutschen Brauer um fast ein Drittel einbricht. Diesem Druck könnten viele Betriebe nicht mehr standhalten.<BR>"Der Einschnitt hätte schon viel früher passieren müssen", sagt Rudolf Böhlke, einer der Autoren der Studie. Er sieht vor allem für kleinere Brauereien schwarz: "Oft handelt es sich um Familienbetriebe, die seit Generationen brauen und die zu klein sind, um verkauft zu werden. Mangels Perspektiven haben die weitergemacht, obwohl sie Kapital verbrennen und Grundstücke verkaufen müssen." Dies sei nicht länger durchzuhalten. </P><P>Sie würden "ihr Geschäft aufgeben oder sich zu größeren, konkurrenzfähigen Einheiten zusammenschließen", heißt es bei Ernst & Young. Die stärkeren Betriebe könnten an Konzerne fallen. "Viele Brauereien mittlerer Größe sind für internationale Biergiganten und deutsche Großbrauereien attraktive Übernahmekandidaten."</P><P>Den pessimistischen Ausblick will Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, zumindest für den Freistaat nicht teilen. "Solche Thesen gibt es seit 20 Jahren. Aber wir haben immer noch 640 Brauereien. Die bayerische Brauwirtschaft ist resistent gegen schwarzmalende Studien", kontert er. Zwar gebe es Konzentrationsentwicklungen insbesondere bei Brauereien, die "für den lokalen Markt zu groß, aber für den nationalen zu klein sind". Doch würden die Menschen in Bayern ihrer Brauerei vor Ort einen besonderen Wert beimessen. "Der biertrinkende Durchschnittsbayer ist nicht reif für ein betriebswirtschaftlich durchoptimiertes Produkt wie in Amerika. Er möchte die Vielfalt." Zudem gewännen kleine Gasthaus-Brauereien an Stärke.<BR>Drei Viertel des in Bayern getrunkenen Bieres stammten auch aus dem Freistaat. Eine so starke Bindung an das heimische Bier gebe es in keinem anderen Bundesland.<BR><BR></P>

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