Deutsche sparen mehr

- Wiesbaden/Berlin - In wirtschaftlich unsicheren Zeiten legen die Verbraucher in Deutschland wieder mehr Geld auf die Seite. In den ersten sechs Monaten 2005 waren es im Schnitt 160 Euro pro Monat oder insgesamt 78,6 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit.

Dies entsprach einem Anstieg von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Sparquote lag im ersten Halbjahr bei 10,6 Prozent (Vorjahr: 10,4 Prozent). Damit wird der Anteil der Ersparnisse am verfügbaren Einkommen der Haushalte bezeichnet.

Im Jahr 2000 betrug die Sparquote noch 9,2 Prozent, Anfang der 90er Jahre allerdings mehr als zwölf Prozent. Im Jahr 2004 haben die privaten Haushalte Investitionen in Höhe von 37 Milliarden Euro netto getätigt, hauptsächlich für den Bau oder die Renovierung des Eigenheims. Vor zehn Jahren waren noch fast 84 Milliarden für Investitionen aufgebracht worden.

Im internationalen Vergleich zählen die Deutschen zu den "knauserigen" Völkern: In den USA etwa sank die Sparrate zuletzt auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Im Juli waren es minus 0,7 Prozent - anstatt zu sparen, machten die Amerikaner also im Schnitt neue Schulden. Dadurch wird zwar der Konsum angekurbelt, allerdings birgt eine solche Entwicklung nach Einschätzung von Volkswirten auch hohe Risiken. In Deutschland wiederum gilt die hohe Sparrate als ein Grund, warum die Binnenkonjunktur nicht anspringt. Die Statistiker veröffentlichten ihre Daten anlässlich des Weltspartages an diesem Freitag (28.10).

Dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) zufolge bilden die Deutschen vor allem Rücklagen für die Altersvorsorge. Gut 85 Prozent halten das für attraktiv, ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag des DSGV. Sparziele seien ferner die Gesundheit (80 Prozent), Ausbildung (78 Prozent), Versicherungen (74 Prozent) sowie die eigenen vier Wände (71 Prozent). Wichtigster Faktor bei der Vermögensbildung sei nach wie vor die Sicherheit. 97 Prozent der Befragten halten dies für wichtig.

Deutlich beliebter geworden ist die Rentenversicherung. Gaben 2004 noch 43 Prozent der Deutschen an, eine Rentenversicherung abgeschlossen zu haben, waren es im laufenden Jahr 47 Prozent. Die meist genutzten Anlageformen sind unverändert die Lebensversicherungen (68 Prozent), der Bausparvertrag (60 Prozent) und das Sparbuch (57 Prozent). Für das Vermögensbarometer 2005 befragte TNS Infratest 2105 Menschen über 14 Jahren.

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