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Noch brennt Licht: Seit Donnerstag kontrolliert die isländische Finanzaufsicht auch die Kaupthing Bank. Seitdem können deutsche Kunden des Instituts mit Sitz in Reykjavik (Foto) nicht mehr auf ihre Guthaben zugreifen.

Deutsche Sparer zittern um ihr Geld

München - Tausende deutsche Kunden der Kaupthing-Bank bangen um ihr Erspartes. Island hat sein landesweit größte Institut zwangsverstaatlicht und die Guthaben auf Tages- und Festgeldkonten eingefroren. Was von dem Geld bleibt, ist ungewiss.

Die Jagd nach dem Spitzenzins könnte sich für viele deutsche Anleger rächen. Am Donnerstag hat Island mit der Kaupthing Bank auch das größte Geldhaus des Landes verstaatlicht. Das Institut hatte in der Bundesrepublik in den vergangenen Monaten mit unschlagbaren Konditionen für Tages- und Festgeld Sparer angelockt. Bereits seit Mittwochabend können sie ihre Einlagen nicht mehr abheben.

„Sehr geehrte Kunden, die Kaupthing Bank wurde heute unter die Aufsicht der isländischen Bankenaufsicht gestellt“, hieß es auf der Webseite der deutschen Tochter mit Sitz in Frankfurt. „Derzeit ist der Zugriff auf die Online-Konten nicht möglich.“ Laut der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sind knapp 31 000 Bundesbürger mit Guthaben von insgesamt 308 Millionen Euro betroffen.

Warum und wie lange das Geld eingefroren ist, war nicht in Erfahrung zu bringen. Ein Sprecher des Instituts wollte auf Anfrage nicht Stellung beziehen, das Kunden-Telefon (0180 / 37 37 37 0) war im Tagesverlauf dauerbelegt. Im Internet hieß es nur, die Kunden sollten „schnellstmöglich“ informiert werden. Momentan könne nur abgewartet werden, sagten Verbraucherschützer.

Kaupthing ist nach den Instituten Landsbanki und Giltnir das dritte isländische Institut, über das der Staat die Kontrolle übernimmt. Damit will die Regierung den Kollaps des Bankensystems abwenden. Allen drei Häusern hat die Finanzkrise zugesetzt, weswegen ihnen Kapital fehlt. Zum Wochenstart hatte Ministerpräsident Geir Haarde vor einem Staatsbankrott gewarnt.

Die Sparer müssen um ihr Geld bangen. Nach eigenen Angaben gehört Kaupthing der isländischen Einlagensicherung an. Auf der Webseite heißt es, die deutsche Niederlassung unterliege den Regularien der Bankenaufsicht des Inselstaates. Das bestätigte der Bundesverband Deutscher Banken (BDB). Laut der Bank werden Einlagen deutscher Kunden bis zu einer Höhe von 20 887 Euro zu 100 Prozent garantiert. Fachleute bezweifeln jedoch, dass der Einlagensicherungsfonds ausreicht, alle Einlagen abzudecken (siehe Interview). Dazu passt, dass Vertreter des Garantiesystems angeblich verlauten ließen, nur isländische Sparer würden versorgt.

Die Kaupthing Bank warb in Deutschland seit dem Frühjahr mit Zinsen, die ihr in Vergleichstabellen meist den ersten Platz sicherte. Damit wollte sie nach Ansicht von Beobachtern Liquiditätsengpässe vermeiden. Das Institut vergütete Tagesgeld zuletzt mit 5,65 Prozent und Festgeld über zwölf Monate mit 6,10 Prozent und damit so hoch wie kaum eine andere Bank. Die Stiftung Warentest und auch unsere Zeitung hatten schon im April und Mai auf die geringe Einlagensicherung hingewiesen.

Das Debakel des führenden isländischen Geldhauses und die übrigen Auswüchse der Finanzkrise haben die Zinssparer in Deutschland offenbar schwer verunsichert. Wie zu hören ist, tragen derzeit viele Anleger ihre Ersparnisse zu den Genossenschaftsbanken und Sparkassen, die als besonders „sicherer Hafen“ gelten. Auf der anderen Seite verlieren nach Einschätzung von Branchenkennern gerade Direktbanken Einlagen, obwohl sie häufig günstigere Konditionen und höhere Zinsen bieten.

„Wir haben seit Anfang Oktober definitiv neue Gelder bekommen“, sagte ein Sprecher der Stadtsparkasse München gegenüber unserer Zeitung. Auch die genossenschaftliche Münchner Bank sowie die Sparda Bank München hatten in den letzten Tagen nach eigenen Angaben hohe Zuflüsse verzeichnet.

von Florian Ernst

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