Deutsche Telekom: 17 000 wollen ihr Geld zurück

Frankfurt - Sie wollen ihr Geld zurück: 17 000 Aktionäre haben die Telekom verklagt, weil nach dem dritten Börsengang am 19. Juni 2000 der Aktienkurs dramatisch eingebrochen ist. Ein Anleger soll vom 7. April an für alle Klarheit schaffen, in einem Musterprozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt.

Prominente Zeugen sind geladen, darunter Ex-Telekom-Chef Ron Sommer. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Mammutprozess:

Was ist Auslöser des Verfahrens?

Die Telekom brachte am 19. Juni 2000 in ihrem dritten Börsengang Aktien für einen Ausgabekurs von 66,50 Euro (63,50 Euro für Frühzeichner) an die Anleger. Zu dieser Zeit hatte die T-Aktie ihr Allzeithoch bereits hinter sich. Am 6. März 2000 hatte sie mit 103,50 Euro notiert. Nach dem letzten Börsengang erholte sich das Papier nicht, sondern sank stetig weiter. Den Tiefststand erreichte die Aktie am 26. Juni 2002 mit 8,14 Euro.

Wie kann man gegen fallende Kurse klagen?

Eigentlich gar nicht. Das Risiko eines Verlustes ist an der Börse immer gegeben. Man kann aber nach einer Hintertür suchen.

Wo liegt der rechtliche Hebel?

Nach dem Börsengesetz sind die Emittenten einer Aktie dafür verantwortlich, dass die Angaben im Verkaufsprospekt korrekt sind. Andernfalls kann die sogenannte Prospekthaftung Schadenersatzansprüche begründen. Die Telekom könnte die Anteile zum damaligen Ausgabepreis zurückkaufen oder den bis dato erlittenen Wertverlust ausgleichen müssen.

Wie lautet der Vorwurf?

Im Jahr 2001 korrigierte die Telekom den Wert ihrer Grundstücke aus der Eröffnungsbilanz des Jahres 1995 um insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro nach unten. Die Kläger und ihre Anwälte vermuten, dass dieser Umstand den Verantwortlichen schon vor dem Börsengang bekannt gewesen sein muss. Damit wären die entsprechenden Angaben im Verkaufsprospekt falsch und zudem möglicherweise der Ausgabepreis der Aktie zu hoch angesetzt gewesen.

Ist das die einzige Beanstandung?

Nein. Insgesamt umfassen die Vorwürfe nach dem Vorlagebeschluss des Oberlandesgerichts 33 Punkte. Eine der wesentlicheren Beschwerden betrifft den Kauf der US-Mobilfunkgesellschaft Voicestream. Kläger behaupten, der als überhöht kritisierte Preis von 34 Milliarden Euro sei schon während der Zeichnungsphase der T-Aktie im Mai und Juni 2000 beschlossen gewesen. Das Unternehmen hätte dazu damals eine Mitteilung veröffentlichen müssen.

Wie viele Kläger gibt es?

Inzwischen haben sich rund 17 000 Aktionäre in etwa 2700 Klagen gegen die Telekom zusammengefunden. Sie werden von etwa 900 Rechtsanwälten vertreten.

Wie hoch ist die Forderung?

Insgesamt stehen nach inoffiziellen Angaben Forderungen von 80 Millionen Euro in Rede. Die Schadenersatzforderung des vom OLG ausgewählten Musterklägers beläuft sich auf 1,65 Millionen Euro.

Warum wird in Frankfurt am Main verhandelt?

Obwohl Bonn der Sitz der Telekom ist, ist das Landgericht in Frankfurt als dem Sitz der Deutschen Börse zuständig. Das Verfahren zieht sich schon seit 2001 hin. Eine erste mündliche Verhandlung in zehn ausgewählten Fällen gab es Ende November 2004, ein weiterer Termin fand Ende Oktober 2005 statt.

Wann fällt die Entscheidung?

Das ist nach Angaben des Oberlandesgerichts nicht abzusehen. Zunächst sind 17 Verhandlungstage im April und Mai angesetzt. Dabei geht es aber vorerst nur um den Komplex VoiceStream; das Thema Immobilienbewertung müsste später folgen.

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