Passagiere warten in der Nähe des Büros von Condor und Thomas Cook im Flughafen von Palma de Mallorca. Foto: Clara Margais
1 von 8
Passagiere warten in der Nähe des Büros von Condor und Thomas Cook im Flughafen von Palma de Mallorca. Foto: Clara Margais
Der Staat will dem Ferienflieger Condor nach der Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook mit einem Überbrückungskredit helfen. Foto: Patrick Pleul
2 von 8
Der Staat will dem Ferienflieger Condor nach der Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook mit einem Überbrückungskredit helfen. Foto: Patrick Pleul
Am Frankfurter Flughafen: "Schalter geschlossen". Foto: Silas Stein
3 von 8
Am Frankfurter Flughafen: "Schalter geschlossen". Foto: Silas Stein
Passagiere besteigen am Flughafen von Kreta eine Maschine der Airline Thomas Cook. Foto: Eurokinissi via ZUMA Wire
4 von 8
Passagiere besteigen am Flughafen von Kreta eine Maschine der Airline Thomas Cook. Foto: Eurokinissi via ZUMA Wire
Gestrandete Urlauber stehen in einer Schlange am Flughafen von Palma de Mallorca. Foto: Isaac Buj/Europa Press
5 von 8
Gestrandete Urlauber stehen in einer Schlange am Flughafen von Palma de Mallorca. Foto: Isaac Buj/Europa Press
Im Flughafen von Palma de Mallorca warten Passagiere nach der Pleite von Thomas Cook auf Informationen zu ihrer Heimreise. Allein aus Großbritannien sind etwa 150.000 Urlauber betroffen. Foto: Clara Margais
6 von 8
Im Flughafen von Palma de Mallorca warten Passagiere nach der Pleite von Thomas Cook auf Informationen zu ihrer Heimreise. Allein aus Großbritannien sind etwa 150.000 Urlauber betroffen. Foto: Clara Margais
Touristen in der Lobby des "Les Orangers"-Hotels in Tunesien: Viele Kunden des Reisekonzerns Thomas Cook sitzen im Urlaub fest. Foto: Mohamed Krit/belga
7 von 8
Touristen in der Lobby des "Les Orangers"-Hotels in Tunesien: Viele Kunden des Reisekonzerns Thomas Cook sitzen im Urlaub fest. Foto: Mohamed Krit/belga
Passagiere neben einem Werbeschild von Thomas Cook am Flughafen von Palma de Mallorca. Foto: Clara Margais
8 von 8
Passagiere neben einem Werbeschild von Thomas Cook am Flughafen von Palma de Mallorca. Foto: Clara Margais

Condor fliegt weiter

Deutsche Thomas Cook meldet Insolvenz an

Die Pleite des britischen Traditionskonzerns Thomas Cook hat den gleichnamigen deutschen Reiseveranstalter und den Ferienflieger Condor in Bedrängnis gebracht. Die Folgen sind allerdings unterschiedlich hart.

Berlin/Frankfurt (dpa) - Erleichterung beim Ferienflieger Condor, Bedauern bei Thomas Cook Deutschland: Drei Tage nach dem britischen Mutterkonzern hat der Reiseveranstalter am Mittwoch Insolvenz angemeldet.

Der ebenfalls zum Konzern gehörende Ferienflieger kann mit staatlicher Unterstützung im Rücken dagegen weiterfliegen. Beide Unternehmen streben eine Sanierung und eine Loslösung von der britischen Mutter an. Die Voraussetzungen dafür sind aktuell allerdings unterschiedlich.

Der Bund und das Land Hessen hatten am Dienstagabend angekündigt, Condor mit einem Kredit in Höhe von insgesamt 380 Millionen Euro zur Seite zu springen. Tausende Urlauber und rund 4900 Beschäftigte können damit vorerst aufatmen.

Über den Antrag der Thomas Cook GmbH auf einen Überbrückungskredit ist dagegen noch nicht entschieden. Dabei soll es sich um 375 Millionen Euro handeln, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Koalitionskreisen erfuhr. Die Prüfung laufe.

Zu Thomas Cook Deutschland gehören unter anderem die Marken Neckermann, Öger Tours und Bucher Reisen. Etwa 120.000 Urlauber sind nach Angaben von Geschäftsführerin Stefanie Berk noch mit dem Unternehmen unterwegs. Für den Zeitraum bis September 2020 hätten derzeit 660.000 Kunden eine Reise bei dem Unternehmen gebucht, wie eine Sprecherin auf Nachfrage bestätigte. Zuvor hatte die "Rheinische Post" über diese Zahl berichtet.

Der Reiseverband DRV betonte, betroffene Pauschalreisende könnten "ihren Urlaub regulär zu Ende bringen und plangemäß nach Hause fliegen". Den Angaben zufolge kümmert sich der Versicherer Zurich um betroffene Pauschalurlauber. Das Auswärtige Amt erwartet keinen Massenandrang von im Ausland festsitzenden Urlaubern aus Deutschland.

Thomas Cook Deutschland strebt mit der Insolvenz eine Sanierung an. Es soll verhindert werden, dass das Unternehmen Teil der Insolvenzmasse des britischen Mutterkonzerns wird. "Ziel einer Sanierung ist es, das profitable, aber schon länger durch das schwache Geschäft von Thomas Cook in Großbritannien und den Brexit belastete Geschäft des deutschen Veranstalters selbstständig fortzuführen", hieß es. Das Unternehmen beschäftigt in Deutschland etwa 2000 Mitarbeiter. "Wir glauben an die Sanierungsfähigkeit der Company", sagte Berk.

"Wir hätten diesen gerichtlichen Schritt natürlich lieber vermieden, doch leider ließ sich auf dem Verhandlungsweg keine kurzfristige Lösung erreichen", sagte Berk weiter. Es gebe aber Partner, die interessiert seien, "um die Winterliquidität, die wir dringend brauchen für dieses Geschäft, sicherzustellen." Die Thomas Cook Deutschland hatte den Verkauf von neuen Reisen am Montag gestoppt. Urlauber, die bereits gebucht hatten, können seit Wochenbeginn nicht starten. Die Reisen sind zunächst bis diesen Donnerstag abgesagt.

Condor fliegt dagegen weiter. Die Führung ist auf der Suche nach einem neuen Eigentümer. "Wir sind in den letzten zwei Tagen bereits in Gesprächen mit solventen interessierten Parteien", sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup am Dienstagabend.

Die Lufthansa, die im Mai ein unverbindliches Gebot für Condor abgegeben hatte, wollte sich nicht dazu äußern, ob sie einen weiteren Anlauf unternimmt. Allerdings hat sie ihre Offerte offiziell nie zurückgezogen.

Interesse an einem Einstieg bekundete der Nürnberger Unternehmer und Investor Hans-Rudolf Wöhrl. "Condor braucht schnell einen neuen Eigentümer, der die Firma selbstständig weiterführt", sagte Wöhrl auf Anfrage. Zuvor hatte der Bayerische Rundfunk über das Interesse Wöhrls berichtet. Der Unternehmer, der sich in der Vergangenheit mehrfach im Airline-Geschäft engagierte, hatte zuletzt im Poker um die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin den Kürzeren gezogen.

Der weltgrößte Reisekonzern Tui hofft indes, dass das Überangebot an Flügen im Zuge der Thomas-Cook-Pleite schrumpft. "Es muss irgendwann eine Marktbereinigung stattfinden. Nach dem Ausscheiden von Air Berlin ist das nicht passiert", sagte Tui-Chef Fritz Joussen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Zu einer Übernahme des deutschen Ferienfliegers sagte er: "Wir haben kein Interesse an Condor angemeldet."

Um sich von der insolventen Mutter zu lösen, stellte Condor wie angekündigt einen Schutzschirmantrag. Der Antrag, bei dem es sich um eine Besonderheit des deutschen Insolvenzrechts handelt, ging nach Angaben des Amtsgerichts Frankfurt am Mittwoch ein. Damit will Condor verhindern, dass Geld aus dem staatlichen Brückenkredit an den insolventen britischen Mutterkonzern abfließt.

Der sogenannten Rettungshilfe muss die EU-Kommission allerdings noch zustimmen. Die EU-Kommission steht nach Angaben eines Sprechers in einem "engen und konstruktiven Kontakt" mit den deutschen Behörden.

Die Unwägbarkeiten des Brexits und das veränderte Buchungsverhalten hatten den ohnehin schon unter Druck stehenden Traditionskonzern Thomas Cook Anfang der Woche in die Insolvenz getrieben. Überteuerte Übernahmen und viel zu späte Veränderungen bei Technik und Geschäftsstrategie hatten den britischen Konzern in eine Abwärtsspirale gebracht, aus der er nicht mehr herausfand.

Auch interessant

Meistgesehene Fotostrecken

Erbitterter Streit: Politik für "Anti-Windkraft-Taliban"?
Die Windenergiebranche ist zunehmend besorgt. Wie soll es weitergehen, erholt sich der Markt wieder? In der Politik tobt ein erbitterter Streit - auch mit scharfen Worte.
Erbitterter Streit: Politik für "Anti-Windkraft-Taliban"?
Busfahrer in Hessen streiken
Frankfurt/Main (dpa) - Pendlern in Hessen stehen vielerorts chaotische Stunden, möglicherweise sogar Tage bevor. Fahrer privater Busunternehmen sind am frühen Morgen in …
Busfahrer in Hessen streiken
Elon Musk: Tesla baut europäische Fabrik bei Berlin
Tesla-Chef Elon Musk sorgt für eine Sensation: Die europäische Fabrik des Elektroauto-Vorreiters wird in der Nähe der deutschen Hauptstadt gebaut. Mehrere Bundesländer …
Elon Musk: Tesla baut europäische Fabrik bei Berlin
Milliarden für die Bahn - Wettbewerber wenden sich an EU
Elf Milliarden Euro will der Bund der Deutschen Bahn über eine Kapitalerhöhung bis 2030 zukommen lassen. Die Konkurrenten fürchten, dass sie dabei zu kurz kommen - und …
Milliarden für die Bahn - Wettbewerber wenden sich an EU