Deutsche Wirtschaft bald auf Vorkrisenniveau

Paris - Die deutsche Wirtschaft erholt sich im internationalen Vergleich ungewöhnlich gut. Bereits im Laufe des kommenden Jahres wird nach der neuen OECD-Prognose der Vorkrisenstand der Wirtschaftsleistung erreicht.

Steigende Löhne, sinkende Arbeitslosenzahlen und hohe Wachstumsraten: Der kräftige Wirtschaftsaufschwung in Deutschland ist nach der jüngsten OECD- Prognose noch lange nicht am Ende. Entgegen dem Trend haben die Konjunkturexperten der Organisation die Wachstumsprognosen sogar noch einmal angehoben. Sie liegen 2011 deutlich über dem Schnitt in der Eurozone. Auch die Bundesbank rechnet damit, dass das Hoch anhält. “In Deutschland stellt sich die Situation in vielen Dingen positiver dar als in vielen anderen Ländern“, kommentierte OECD- Experte Felix Hüfner am Donnerstag in Paris. Das Tempo des Aufschwungs werde in der nächsten Zeit zwar etwas zurückgehen, eine markante Abschwächung sei aber nicht erkennbar. Das kommt auch den Arbeitslosen in Deutschland zugute.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet weiter mit deutlich sinkenden Zahlen. Ende 2012 könnte es noch einmal 250 000 Arbeitslose weniger geben als heute. “Wenn man nach vorne schaut, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass der positive Trend am Arbeitsmarkt bald abbricht“, sagte Hüfner. Schon heute liege die Quote von 6,9 Prozent unter Vorkrisenniveau. Im OECD-Vergleich ist Deutschland damit Top: Für die Eurozone prognostiziert die Organisation für 2012 eine durchschnittliche Quote von 9,2 Prozent, für die USA 8,7 Prozent. Die positiven Arbeitsmarktzahlen werden nach Einschätzung der OECD im kommenden Jahr in Deutschland zu einem Lohnwachstum führen, das stärker ist als in den Jahren zuvor. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Konjunktur aus.

Für 2011 rechnen die OECD-Konjunkturexperten hierzulande mit einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent. Ein Jahr später sollen es dann 2,2 Prozent sein. “Die OECD bestätigt: Deutschland wird zum Wachstumsmotor nicht nur im Euroraum, sondern auch in der OECD“, kommentierte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Für die USA prognostiziert die OECD im nächsten Jahr nur noch ein Wachstum von 2,2 Prozent (alte Prognose: 3,2 Prozent). Für den gesamten OECD- Mitgliedskreis, in dem boomende Schwellenländer wie China und Indien nicht vertreten sind, rechnen die Konjunkturforscher mit einem Wert von 2,3 Prozent (2,8). Die Schätzung für die Eurozone liege bei 1,7 Prozent (1,8). Nach Einschätzung der Bundesbank ist der Hauptgrund für den deutschen Wachstumskurs der starke Export, zunehmend aber auch die steigende Nachfrage aus dem Inland. “Die Konjunktur dürfte in den kommenden Monaten von weiteren außenwirtschaftlichen Impulsen profitieren“, heißt es im am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbank.

Voraussetzung sei allerdings, dass sich die Schuldenkrise im Euro-Raum nicht negativ auf die Konjunktur auswirkt. Für die Weltwirtschaft erwarten die Experten sogar, “dass sich das Expansionstempo zum Jahresende hin wieder etwas verstärken dürfte“. Einziger Wermutstropfen bleibt das etwas langsamere Wachstumstempo in Ostdeutschland: Dort hinkt man nach Ansicht des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) beim Aufschwung nach der Krise etwas hinterher. Auch dafür sei der Grund im Export zu finden: “Der Aufschwung ist - wie zuvor der Abschwung - aus dem Ausland gekommen“, sagte der Konjunkturexperte des Instituts, Udo Ludwig, am Donnerstag. Während die westdeutsche Wirtschaft eine Exportquote von 45 Prozent aufweise, liege diese im Osten nur bei 30 Prozent.

dpa

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