Deutsche Wirtschaft boomt

Hamburg - Der Aufschwung in Deutschland hat an Fahrt aufgenommen, Forschungsinstitute in Kiel und Hamburg heben ihre Prognosen kräftig an. Doch sie sehen auch Risiken.

Die deutsche Wirtschaft läuft auf Hochtouren, und auch die nähere Zukunft sieht glänzend aus. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel erhöhten am Donnerstag ihre Vorhersagen für das laufende Jahr deutlich. Das HWWI erwartet nun 3,5 Prozent, das IfW sogar 3,6 Prozent Wachstum. Zuvor lagen die Prognosen um rund einen Prozentpunkt niedriger. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft den Experten zufolge um 2,2 (HWWI) oder 1,6 (IfW) Prozent zulegen. Trends und Tendenzen werden von den Forschern in Hamburg und Kiel ähnlich beurteilt. Demnach ist vor allem die Binnenkonjunktur angesprungen.

Die Unternehmen investierten wieder mehr, sie kauften Maschinen und bauen Gebäude. Das mache allein die Hälfte des Wachstums aus. Auch der private Konsum, der jahrelang schwächelte, nehme um knapp zwei Prozent zu, so die Experten. Mehr Menschen hätten Arbeit und sie verdienten auch etwas mehr Geld. Der Außenhandel, die verlässliche Stütze der deutschen Wirtschaft, hat ungefähr das Niveau vor der Krise wieder erreicht. “Deutschland bleibt auf dem Weg zur Vollbeschäftigung“, schreiben Joachim Scheide und Stefan Kooths vom IfW. Wie auch das HWWI sehen sie die Arbeitslosigkeit in diesem Jahr unter drei Millionen Erwerbslose fallen, im nächsten Jahr sollen nur noch 2,7 Millionen Menschen in Deutschland ohne Job sein. “In einigen Regionen und Berufen könnte der Mangel an Fachkräften das Wachstum bremsen“, befürchtet HWWI-Konjunkturchef Michael Bräuninger.

Die Löhne seien bislang nur moderat gestiegen. Allerdings könne sich das ändern und zu der bei Ökonomen gefürchteten Lohn-Preis-Spirale führen. Die Inflation habe bereits den Schwellenwert von zwei Prozent überschritten und wird demnach in diesem Jahr 2,4 Prozent betragen. Diese Rate erwartet das HWWI auch im kommenden Jahr. Das IfW ist etwas optimistischer und rechnet mit einer Preissteigerung von 2,1 Prozent. Die zuversichtlichen Vorhersagen der beiden Institute werden jedoch zur Makulatur, falls einige Risiken eintreten, vor allem aus dem Ausland. An erster Stelle sehen die Experten die Staatsschuldenkrise in Griechenland und anderen europäischen Staaten.

Sowohl das Kieler wie auch das Hamburger Institut gehen davon aus, dass die Lage beherrschbar bleibt und nicht eskaliert, etwa in Form einer Staatspleite. “Was eine solche Insolvenz bewirken würde, wissen wir letztlich nicht“, sagte Bräuninger. Zu befürchten sei dann eine ähnliche Krise wie nach der Lehman-Insolvenz im September 2008. Das müsse auf jeden Fall vermieden werden, selbst wenn es bedeute, dass Deutschland noch einige Jahre für Griechenland zahlen müsse. Die Alternative sei noch teurer. Auch seien konjunkturelle Rückschläge in den USA oder wichtigen Schwellenländern nicht auszuschließen. Sie könnten die Entwicklung der deutschen Wirtschaft beeinträchtigen.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Eurogruppe: Rückkehr der Kontrolleure nach Athen
Die Debatte um den Rettungskurs für Griechenland kocht wieder hoch. Während sich die CDU hart gibt und einen Grexit nicht ausschließt, warnt SPD-Kanzlerkandidat Schulz …
Eurogruppe: Rückkehr der Kontrolleure nach Athen
Abgas-Ausschuss: Piëch lehnt Auftritt definitiv ab
Berlin/Wolfsburg (dpa) - Der frühere VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch wird definitiv nicht als Zeuge im Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Abgas-Skandal …
Abgas-Ausschuss: Piëch lehnt Auftritt definitiv ab
Ringen um Opel-Jobs - Experte pessimistisch 
Berlin - Die Politik kämpft im Falle einer Übernahme durch Peugeot-Citroën um die Arbeitsplätze bei Opel. Auf lange Sicht sind sichere Jobs aber nahezu unmöglich, sagt …
Ringen um Opel-Jobs - Experte pessimistisch 
Ringen um Opel-Jobs
Die Politik kämpft um den Erhalt der Arbeitsplätze bei Opel, falls das Unternehmen vom französischen Autobauer Peugeot-Citroën übernommen wird. Auf lange Sicht sind …
Ringen um Opel-Jobs

Kommentare