+
Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft.

Über 1000 Firmen registriert

Deutsche Wirtschaft in Ebola-Region nicht mehr aktiv

Berlin - Die Ebola-Epidemie droht Afrikas Wirtschaft auszubremsen. Deutsche Firmen haben sich aus den betroffenen Ländern zurückgezogen. Darunter leidet auch der Ruf anderer afrikanischer Länder.

Die deutsche Wirtschaft hat sich angesichts der Ebola-Epidemie in Westafrika komplett aus den betroffenen Ländern zurückgezogen. Kein deutsches Unternehmen sei mehr in Liberia, Guinea oder Sierra Leone aktiv, alle Infrastrukturprojekte auf Eis gelegt, sagte der Vorsitzende des Afrika-Vereins der Deutschen Wirtschaft, Stefan Liebing, am Dienstag in Berlin. Vor dem Ausbruch der tödlichen Krankheit hatte sich rund ein Dutzend deutscher Firmen vor allem mit Vorhaben aus der Energiebranche in der Region engagiert.

Liebing warnte, auch die Reputation anderer afrikanischer Länder leide. „Wir müssen aufpassen, dass die Wahrnehmung Afrikas als Krankheits- und Krisenkontinent nicht wieder hochkommt.“ Es gebe keinen Grund, auf Projekte in Südafrika, im Kongo oder in Namibia zu verzichten. Afrika sei vor dem Ebola-Ausbruch gerade wieder stärker in den Fokus deutscher Unternehmen gerückt. So habe sich die Zahl der auf dem Kontinent aktiven Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Inzwischen seien 1000 Firmen registriert. „Afrika war dabei, ein bisschen zur Mode zu werden“, sagte Liebing.

Liberia und Guinea gehörten vor dem Ausbruch der Epidemie laut Afrika-Verein zu den Staaten mit dem weltweit größten Wirtschaftswachstum. Nun sei damit zu rechnen, dass sich dieses Wachstum in ein Minus verwandle. Die Wirtschaft in den betroffenen Ländern komme mehr und mehr zum Stillstand. Inzwischen gebe es akute Versorgungsprobleme, weil beispielsweise der Hafen in Monrovia nicht angefahren werde.

Der Afrika-Verein trägt derzeit zusammen, mit welchen Mitteln deutsche Unternehmen in der Ebola-Region helfen können. Es gehe um die Ausrüstung von Krankenhäusern und Lieferung von Schutzanzügen, aber auch um Logistik und verstärkte Forschungsbemühungen was Medikamente angeht. „Wir werden alle Ressourcen zusammennehmen“, versprach Liebing. Das Problem in Westafrika sei aber eigentlich nicht fehlendes Material. „Der Engpass sind die Mitarbeiter.“ So könnten Feldlazarette nach Liberia gebracht werden, es fehlten aber Menschen, die unter diesen Bedingungen arbeiten könnten.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Am „Black Friday“: Amazon-Mitarbeiter wollen streiken
Pünktlich zum Schnäppchen-Großkampftag „Black Friday“ wollen Amazon-Mitarbeiter streiken - unter anderem gegen ungesunde Arbeitsbedingungen.
Am „Black Friday“: Amazon-Mitarbeiter wollen streiken
Machtkampf bei Aldi wird zur Hängepartie: Es geht um die Zukunft des Discounters 
Es geht um Macht und viel Geld: Beim Discounter Aldi Nord tobt ein Familienstreit. Entschieden wird er aber wohl erst im Dezember - das zuständige Gericht hat das Urteil …
Machtkampf bei Aldi wird zur Hängepartie: Es geht um die Zukunft des Discounters 
Thyssenkrupp bleibt auf Fusionskurs
Bei der Stahlfusion mit Tata bleibt der Thyssenkrupp-Chef unbeirrt auf Kurs. Die Pläne hätten "absolute Priorität". Doch tausende Beschäftigte wollen das umstrittene …
Thyssenkrupp bleibt auf Fusionskurs
Starker Euro bremst Dax erneut aus
Frankfurt/Main (dpa) - Der gestiegene Eurokurs hat den Dax am Donnerstag ein weiteres Mal ausgebremst. Der Leitindex kämpfte um die Marke von 13 000 Punkten, die er zum …
Starker Euro bremst Dax erneut aus

Kommentare