Deutsche Wirtschaft gerät ins Stocken

Frankfurt - Der Konjunktur im Euro-Raum droht wegen der Euro-Schuldenkrise eine längere Durststrecke und selbst die bisher robuste deutsche Wirtschaft gerät ins Stocken. Die Prognosen sind mies.

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent im kommenden Jahr in Deutschland. Mit seiner Prognose liegt es noch unter den Erwartungen anderer führender deutscher Forschungsinstitute. Für den Euro-Raum sieht die Europäische Zentralbank “beträchtliche Abwärtsrisiken“.

Im vierten Quartal hat sich die Wirtschaftstätigkeit im Euro-Raum nach Einschätzung der EZB abgeschwächt. Die starken Spannungen an den Finanzmärkten dürften den Konjunkturverlauf spürbar dämpfen, schrieben die Währungshüter in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht. Erst im Laufe des kommenden Jahres sollte sich die Wirtschaftsleistung erholen, - “wenn auch nur sehr allmählich“.

Angesichts des drohenden Konjunkturabsturzes mahnten die Währungshüter umfassende Reformen an. Die Regierungen im Euro-Raum müssten “dringend alles daran setzen, um die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen im gesamten Euro-Raum zu fördern“.

Die EZB hatte im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise und eine drohende Rezession Anfang Dezember den Leitzins zum zweiten Mal in Folge auf nunmehr 1,0 Prozent gesenkt. Die EZB rechnete für 2012 zuletzt nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,3 Prozent, die Spanne liegt zwischen minus 0,4 Prozent und plus 1,0 Prozent. Im September war die EZB noch von einem Plus von 1,3 Prozent ausgegangen.

Inflationsrisiken sieht die EZB wegen der zu erwartenden Wirtschaftsabschwächung dagegen kaum. Die Preissteigerungsrate dürfte in den kommenden Monaten zwar über dem Zielwert der Notenbank von knapp zwei Prozent verharren, danach aber zurückgehen. Im November hatte die Rate mit 3,0 Prozent noch deutlich über dem EZB-Ziel gelegen.

Trotz der düsteren Prognosen rechnet die deutsche Elektroindustrie für das kommende Jahr mit weiterem Wachstum. Es wird allerdings schwächer ausfallen als 2011. Die Produktion werde preisbereinigt um 5 Prozent steigen, wenn es der Politik endlich gelinge, die Euro-Schuldenkrise dauerhaft in den Griff zu bekommen, erklärte der Chef des Industrieverbandes ZVEI, Klaus Mittelbach, in Frankfurt. Im fast abgeschlossenen Jahr 2011 hat die Produktion nach ZVEI-Schätzungen um 14 Prozent angezogen. Auch der Umsatz werde im kommenden Jahr noch einmal ansteigen auf mehr als 185 Milliarden Euro nach 180 Milliarden in diesem Jahr.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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