Deutsche Wirtschaft trotzt dem Konjunkturpessimismus

Frankfurt/Main/Berlin/Mannheim - Die deutsche Wirtschaft stemmt sich trotz Eurohoch und Rekordpreisen beim Öl gegen den Konjunkturpessimismus. Deutsche Bundesbank, Konjunktur- und Finanzexperten sind übereinstimmend der Auffassung, dass die aktuelle Lage besser ist als vielfach angenommen - und der mehrjährige Aufschwung ungebrochen weitergehen kann.

"Der Start ins Jahr 2008 war überraschend positiv", sagte Bundesbank-Präsident Axel Weber am Dienstag in Frankfurt. "Ich halte keinen ausgewachsenen Pessimismus für angebracht." Ähnlich äußerte sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Dementsprechend signalisiert auch das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim Erholungskurs.

Stützen der Konjunktur sind aus Sicht der Bundesbank die boomenden Exporte und die Investitionen. Beim Einzelhandel sei zudem eine erste "zaghafte Belebung" zu sehen. Für 2008 erwartet die Notenbank ein Wachstum von knapp 1,5 Prozent. Die Finanzmarktturbulenzen hätten zwar zu leichten Bremseffekten geführt. "Die deutsche Wirtschaft ist aber widerstandsfähig genug, um den Gegenwind einer schwächeren Weltwirtschaft ohne nachhaltige Blessuren zu überstehen", sagte der Bundesbankpräsident. Sorgen bereiten den Notenbankern die hohen Ölpreise sowie die gestiegene Teuerungsrate, die zuletzt in Deutschland mit 2,8 Prozent deutlich über der Zwei-Prozent-Marke gelegen hatte.

Das ZEW-Stimmungsbarometer legte im März um 7,5 Punkte auf minus 32 Punkte zu. Der Indikator liegt allerdings weiter deutlich unter seinem historischen Mittelwert von 30,3 Punkten. "Ausgehend von dem derzeit schwachen Wirtschaftswachstum in Deutschland rechnen die befragten Experten damit, dass sich die Konjunktur ab September 2008 wieder belebt." Auf die aktuelle konjunkturelle Lage blickten die Experten dagegen so pessimistisch wie zuletzt im Juli 2006.

Vor allem für die USA sind die 285 befragten Analysten und Anleger bei den Konjunkturerwartungen im kommenden halben Jahr wieder optimistischer, heißt es in der Mitteilung. Sie rechnen zudem damit, dass der US-Dollar im Vergleich zum Euro stärker wird - was die exportorientierten Branchen in Deutschland unterstützen dürfte. Auch die Stimmung der Finanzexperten zur Entwicklung des privaten Konsums hat sich etwas aufgehellt.

"Der Optimismus der Finanzanalysten gründet sich vermutlich auf die Hoffnung, dass bei der Finanzmarktkrise das Schlimmste in einem halben Jahr überwunden sein wird und die Konjunkturdynamik sich nicht mehr abschwächt als bisher erkennbar", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Das DIW prognostiziert für das aktuelle Quartal ein Wirtschaftswachstum von gut 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Das Institut hob damit eine Berechnung von Mitte Februar leicht an, die 0,3Prozent Plus ergeben hatte. Das Wachstum zeige sich recht robust gegenüber dem insgesamt raueren weltwirtschaftlichen Umfeld, sagte DIW-Experte Stefan Kooths. Für den weiteren Verlauf des Jahres bleibe aber entscheidend, dass vor allem der private Verbrauch einer Abschwächung der außenwirtschaftlichen Impulse entgegenwirke.

Deutlich lebhafter als vor Monatsfrist entwickle sich inzwischen das Produzierende Gewerbe, erläuterte das DIW. Den stärksten Wachstumszuwachs verzeichne allerdings der Bau, was vor allem auf das milde Winterwetter zurückzuführen sei. Für die Branchen Handel, Gaststätten und Verkehr hätten sich die Aussichten leicht aufgehellt.

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