Deutsche Wirtschaft wächst um 1,0 Prozent

- Wiesbaden - Getragen vom Export ist die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal so stark gewachsen wie seit vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte saison- und kalenderbereinigt real um 1,0 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu.

Das berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Solch einen starken Anstieg hat es seit Anfang 2001 nicht mehr gegeben. "Es ist ein überraschend gutes Ergebnis", sagte ein Statistiker. Die meisten Institute und Großbanken hatten nur ein halb so großes Wachstum von 0,5 Prozent vorausgesagt. Im vierten Quartal 2004 war die Wirtschaft noch um 0,1 Prozent geschrumpft.<P>Von einem Aufschwung oder einem Anspringen der Konjunktur wollten die Experten aber nicht sprechen. "Das Ergebnis ist durch die Bereinigung um Arbeitstage statistisch überzeichnet", sagte Matthias Rubisch von der Commerzbank. Die Wirtschaft sei auf einem langsamen Erholungskurs. </P><P>Einige Volkswirte kündigten an, ihre Prognosen für das Gesamtjahr nun wieder nach oben revidieren zu wollen. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten erst kürzlich ihre Prognose für 2005 von 1,5 auf 0,7 Prozent halbiert, die Bundesregierung hatte ihre Schätzung von 1,6 auf 1,0 Prozent gesenkt.</P><P>In den ersten drei Monaten wurde das Wachstum nach Angaben der Statistiker ausschließlich vom Export getragen. In den ersten drei Monaten lagen die Ausfuhren knapp fünf Prozent über dem Vorjahr. Der Exportüberschuss habe ein deutliches Plus aufgewiesen, meldeten die Statistiker. Dagegen blieb die Binnenkonjunktur weiter schwach.</P><P>"Der private Konsum ist nach unten gegangen und hat nicht zum Wachstum beigetragen", sagte ein Statistiker. Auch die staatlichen Konsumausgaben und Bau-Investitionen stagnierten. Lediglich die Unternehmen investierten mehr in Ausrüstungen und sonstige Anlagen.</P><P>Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Wirtschaftsleistung im ersten Vierteljahr dagegen unverändert. Rechnet man den Kalendereffekt heraus, hätte das Wachstum laut Bundesamt aber gut ein Prozent betragen. Im ersten Quartal 2005 standen zwei Arbeitstage weniger zur Verfügung als im ersten Quartal 2004.</P><P>Die Wirtschaftsleistung wurde im ersten Quartal 2005 von 38,6 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 0,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Detaillierte Ergebnisse gibt das Statistische Bundesamt am 24. Mai bekannt.</P><P>Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) ist die deutsche Wirtschaft nun aus den Schwächen des zweiten Halbjahres 2004 herausgekommen. "Es geht klar aufwärts. Die Ergebnisse des ersten Quartals sind eine Ermutigung auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung, die langsam, aber sicher an Breite und Tiefe gewinnt", sagte Clement mit Blick auf die veröffentlichten Zahlen.</P><P>Es sei das stärkste Wachstum seit vier Jahren. "Unser Wachstum heute steht - nach den harten industriellen Restrukturierungen der letzten Jahre - auf den soliden Fundamenten einer hohen Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass sich das Wachstum bald auch in mehr Beschäftigung abbilden wird", sagte Clement weiter.</P>

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