Deutsche-Bank weist Kritik zurück

- Frankfurt/Main/Köln/Berlin - Der Betriebsrat der Deutschen Bank hat Vorstandssprecher Josef Ackermann aufgefordert, den geplanten Stellenabbau in Deutschland zurückzunehmen. Die durch Ackermanns Ankündigungen ausgelöste Debatte über die Verantwortung von Unternehmen sei "notwendig und überfällig", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Leo Wunderlich am Donnerstag nach einer Sitzung des Gremiums in Köln.

Unterdessen weist das größte deutsche Geldhaus Kritik von sich und bleibt bei seinen verschärften Abbauplänen. In einer E-Mail an die Belegschaft schrieb Ackermann, in der deutschen Öffentlichkeit sei es "zu einer Reihe kritischer, vielfach auch unangemessener Äußerungen zur Deutschen Bank gekommen". Das Finanzhaus halte an seiner Strategie fest, die Rendite auf ein international konkurrenzfähiges Niveau zu steigern. Dazu müssten die Kosten weiter gesenkt werden.<BR><BR>In der kommenden Woche soll nach Angaben der Gewerkschaft ver.di zunächst ein Spitzengespräch des Gesamtbetriebsrats mit Ackermann und Personalvorstand Tessen von Heydebreck geführt werden. Kritisch gingen die Arbeitnehmervertreter mit Aufrufen ins Gericht, Kunden sollten aus Protest gegen die Deutsche Bank ihr Geldinstitut wechseln. Boykottaufrufe "gefährden weiter Tausende von Arbeitsplätzen und schwächen nicht nur die Deutsche Bank, sondern auch den Wirtschaftsstandort Deutschland", hieß es in einer Mitteilung des bislang eher öffentlichkeitsscheuen Betriebsrats. Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti hatte Kunden des Finanzhauses nahe gelegt, zur Konkurrenz zu wechseln.<BR><BR>Die Arbeitnehmervertreter hatten schon 2004 in einem offenen Brief an Ackermann den Abbau von 2300 Stellen in Deutschland zur Steigerung des Gewinns als "unmoralisch und unverantwortlich" bezeichnet und betont: "Die Deutsche Bank ist kein Sanierungsfall." Als Antwort auf Ackermanns E-Mail wurde am Donnerstag eine Stellungnahme des Betriebsrats ins Intranet der Bank gestellt. "25 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern scheint zum Dogma zu pervertieren, dem alles unterworfen wird", schreibt der Betriebsrat darin. Die Gewerkschaft ver.di schloss sich der Kritik an.<BR><BR>"Die Entscheidung, Stellen zu reduzieren, ist uns nicht leicht gefallen", bekräftigte der Deutsche-Bank-Chef. "Gleichwohl ist der Schritt notwendig, wobei wir uns verpflichtet haben, ihn für die betroffenen Mitarbeiter fair und sozial verträglich zu gestalten. Wir stehen ohne Abstriche dazu." Von den betroffenen Stellen sollen nach ver.di-Angaben die meisten - nämlich rund 800 - im Kreditrisikomanagement abgebaut werden.<BR><BR>Die öffentliche Debatte zur Deutschen Bank ging weiter. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel forderte die Manager insgesamt zu mehr sprachlichem Feingefühl auf. "Der Ton macht die Musik", sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. <BR><BR>Wie zum Teil Renditeüberlegungen dargestellt würden, "ist für viele Menschen nicht mehr nachvollziehbar". Sie habe gleichwohl auch Verständnis für Überlegungen in den Führungsetagen, den Unternehmensstandort zu sichern.<BR>Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, warnte in einem dpa-Gespräch davor, die Deutsche Bank an den Pranger zu stellen: "Wenn ein Unternehmen auf dem internationalen Parkett unterwegs sein will, gelten andere Regeln. Der Anleger - und das ist auch der deutsche Verbraucher - erwartet schließlich Rendite."<BR><BR>"Die Deutsche Bank hat das Image der ausschließlichen Kapitalmarktorientierung", sagte Sparkassen-Präsident Dietrich Hoppenstedt gegenüber "Spiegel Online". "Boykott-Aufrufe sind nicht unsere Priorität. Aber im Ernst: Ich sehe darin eine sehr emotionale Reaktion auf durchaus diskussionsbedürftige Tatbestände."<BR><BR>Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Banken, Manfred Weber, hielt im "DeutschlandRadio Berlin" Politikern vor, mit ihrer Kritik an der Deutschen Bank von eigenen Versäumnissen in der Reformpolitik abzulenken. Im internationalen Wettbewerb lägen deutsche Banken noch "weit, weit zurück". Erneute Stellenstreichungen seien nicht ausgeschlossen.

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