Deutsche-Bank-Chef auf der Anklagebank

- Düsseldorf - Dem Düsseldorfer Landgericht steht einer der spektakulärsten Prozesse der deutschen Wirtschaftsgeschichte bevor. Auf der Anklagebank: Deutschlands einflussreichster Banker, der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, eine Reihe weiterer Topmanager sowie der Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel.

Es geht um die größte Übernahmeschlacht aller Zeiten, den milliardenschweren Kauf von Mannesmann durch Vodafone Anfang 2001. Nach dem Sieg von Vodafone flossen im Mannesmann-Konzern mehr als 100 Millionen Euro Abfindungen und Bonuszahlungen an Manager, Aufsichtsräte und Pensionäre - allein 30 Millionen Euro an Mannesmann-Chef Klaus Esser.<BR>Bald wurde der Vorwurf laut, Manager hätten die Wirren der Übernahmeschlacht genutzt, um selbst Kasse zu machen. Ackermann geriet ins Visier, obwohl er selber gar kein Geld erhielt. Doch soll er im Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten die Zahlungen abgenickt oder zumindest nicht verhindert haben.Darin sieht die Staatsanwaltschaft den Tatbestand der Untreue erfüllt. Der Banker kämpfte bis zuletzt gegen die Erhebung der Anklage. Er habe sich moralisch und rechtlich nichts vorzuwerfen, erklärte er. <BR>Aufsichtsrat, Vorstand und Group Executive Committee der Deutschen Bank stellten sich demonstrativ hinter Ackermann. Der Bankchef werde seine persönliche Integrität und seine Entscheidungen während der Verhandlungen über die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone "mit allem Nachdruck verteidigen", betonte ein Sprecher des Geldinstitutes.<BR>Die Düsseldorfer Staatsanwälte stoßen mit ihrer Anklage auf Neuland vor. Die strafrechtliche Verantwortung von Aufsichtsräten ist bisher vor Gericht kaum ein Thema gewesen.

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