Deutsche-Bank-Chef muss kämpfen

- Frankfurt/Main - Josef Ackermann hat wieder einmal eine Tage der Bewährung vor sich: Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank muss seine Kritiker innerhalb und außerhalb des größten deutschen Finanzhauses davon überzeugen, dass seine Zukunftsstrategie die richtige ist.

<P>Einer dieser Kritiker, Aufsichtsrat Ulrich Cartellieri, wird nach Einschätzung von Branchenbeobachtern am Donnerstag aus Frust über Ackermanns Kurs offiziell seinen Rücktritt aus dem Kontrollgremium erklären. Am Freitag legt die Bank dann die Zahlen für das dritte Quartal vor.</P><P>In der vergangenen Woche leistete Ackermann auf einem Treffen von 200 Führungskräften des Kreditinstituts in Berlin noch einmal Überzeugungsarbeit. Die Deutsche Bank soll aus eigener Kraft ihre Eigenkapitalrendite 2005 auf 25 Prozent vor Steuern steigern und damit Investoren zum Kauf der Aktie bewegen. Mit einem höheren Börsenkurs sinkt die Gefahr einer Übernahme, und das Kreditinstitut kann seinerseits nach Kaufobjekten Ausschau halten - soweit Ackermanns Kalkül.</P><P>Um dieses ehrgeiziges Ziel zu erreichen, will der Schweizer Banker die Kosten weiter senken. Durch die im September beschlossene Zusammenlegung des Aktien- mit dem Rentenhandel soll das Investmentbanking effektiver werden. Analysten rechnen damit, dass eine Summe im dreistelligen Millionenbereich vor allem in der Verwaltung der bisher getrennten Bereiche eingespart werden kann. Das wiederum könnte bedeuten, dass bis zu 2000 der insgesamt 30 000 Stellen im Investmentbanking und Firmenkundengeschäft wegfallen.</P><P>Die Restrukturierungskosten würden noch 2004 verbucht, damit Ackermann mit einer unbelasteten Gewinn- und Verlustrechnung in das neue Jahr starten kann. Allerdings müssen die Details des Sparprogramms erst noch ausgetüftelt werden - am Freitag soll darüber vorerst nichts zu erfahren sein. Analyst Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck rechnet damit, dass die Deutsche Bank in dem von der Urlaubssaison geprägten dritten Quartal insgesamt schwächere Ergebnisse erzielt hat als im Dreimonatszeitraum davor. Vor allem das Handelsergebnis würde durch die Seitwärtsentwicklung an den Kapitalmärkten belastet.</P><P>Dem eigentlichen Test muss sich Ackermann dann im kommenden Jahr stellen. Von der Prognose einer Eigenkapitalrendite von mindestens 25 Prozent kann er nicht mehr abweichen, denn die Erwartungen des Marktes sind hoch. "Es genügt nicht, einfach nur die Zahl hinzuzaubern", sagt Analyst Becker. Die Gewinnmarge müsse dauerhaft erreichbar sein und dürfe nicht auf Sondereffekten wie zum Beispiel dem Verkauf von Beteiligungen beruhen. "Ackermann hat sich sehr mit diesem Ziel identifiziert. Falls er es nicht erreicht, wäre seine Position geschwächt."</P><P>Genau darauf warten Ackermanns Widersacher, die so genannten Traditionalisten im Umfeld der Deutschen Bank. Sie halten dem 56- Jährigen vor, sich zu stark auf das konjunkturanfällige globale Investmentbanking konzentriert und das Privatkundengeschäft im Heimatmarkt Deutschland vernachlässigt zu haben. Unklar ist, welchem Lager Aufsichtsratschef Rolf-E. Breuer angehört, der sich derzeit mit einer ganzen Hand voll Klagen des früheren Medienunternehmers Leo Kirch konfrontiert sieht. Sollte Ackermann das Ergebnisziel verfehlen, könnten sich seine Gegner wieder in die Offensive wagen.</P>

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