Deutsche-Bank-Chefs: Wenig Fortune und strategische Fehler

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<P>Josef Ackermann steht wegen der Mannesmann-Affäre und der Postbank unter besonderer Beobachtung. Hat die Führung der Deutschen Bank etwas falsch gemacht?<BR><BR>Helmut Hipper: Sie haben zurzeit nicht so furchtbar viel Fortune. Allerdings ist man hinterher immer schlauer. Für das, was im Haus passiert, trägt Ackermann zwar Verantwortung, die Pannen selbst aber haben andere verursacht. Zum Prozess möchten wir uns nicht äußern, nur so viel, dass mit Aktienoptionen zwar die Form gewahrt worden wäre, aber sehr wahrscheinlich auch wesentlich mehr gezahlt worden wäre.<BR><BR>Sollte sich das Institut auf Kernbereiche konzentrieren oder die alles könnende Universalbank spielen?<BR><BR>Hipper: Die Deutsche Bank sollte durchaus beides tun. Es war sicherlich ein Fehler vor vier Jahren, vielen Kunden zu sagen, wir wollen euch nicht. Die Citibank macht es vor, wie man im Privatkundengeschäft profitabel sein kann.<BR><BR>Wo liegen die Schwächen der Deutschen Bank im internationalen Vergleich?<BR><BR>Hipper: Die Deutsche Bank hat im Heimatmarkt eine stärkere Konkurrenz, insbesondere durch die öffentlichen Banken. Dazu kommen strategische Fehler vor vier, fünf Jahren mit der Bank 24. Das war eine Vergeudung von Zeit und Geld. <BR><BR>Wo steht der Aktienkurs in einem Jahr?<BR><BR>Hipper: Vor 20 Jahren gehörte die Bank zu den Top 3 weltweit. Danach kam der Abstieg in die 2. Liga. Erst in den letzten fünf Jahren greift sie wieder an. 2003 ist der Aktienkurs der Deutschen Bank um 53, der Dax nur um 37 Prozent gestiegen. Wir sehen gute Chancen, dass die Bank weiter vorankommt und haben die Aktie in unseren Fonds leicht übergewichtet.<BR><BR>Wären Zukäufe für die Deutsche Bank sinnvoll? Wenn ja, welche?<BR><BR>Hipper: Viele Akquisitionen erfüllen nicht die Erwartungen. Es kommt aber immer auf den Preis an. Auch eine gute Sache kann zu teuer sein.<BR><BR>Sehen Sie die Gefahr, dass die Deutsche Bank von einer der viel finanzkräftigeren ausländischen Banken geschluckt wird?<BR><BR>Hipper: Das kann passieren, ich halte es aber für unwahrscheinlich. Gegen den deutschen Markt spricht, dass er als besonders schwierig gilt. Dafür, dass er der größte Markt Mitteleuropas ist. Ein Kauf würde ich gar nicht so sehr als Bedrohung ansehen. In London zum Beispiel gehören die wenigsten Institute den Briten. <BR><BR>Das Gespräch führte Christian Vordemann.<BR></P>

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