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Selbst Fragmente alter Geldscheine sind nicht wertlos. Auch beschädigtes Bargeld wird noch getauscht.

58 Prozent aller Pfennige im Umlauf

Darum horten die Deutschen noch 13 Milliarden Mark

München - Die alte D-Mark lebt weiter. In Ritzen von Sofas, in geheimen Verstecken oder schlicht in Plastikbeuteln werden 13,14 Milliarden Mark aufbewahrt.

Manche Pfennigstücke wurden in Staubsaugerbeuteln eingesaugt und gingen so ihren letzten Weg in die Müllverbrennung. Milliarden alter Münzen und Scheine werden aber weiter wie Schätze gehortet. Nicht nur in Deutschland. Auch weltweit hat die D-Mark immer noch einen guten Namen – aber keinen nennenswerten wirtschaftlichen Nutzen mehr.

Insgesamt 13,14 Milliarden D-Mark sind bis Ende Februar 2013 noch nicht umgetauscht worden, umgerechnet sind das 6,72 Milliarden Euro. Eindrucksvoller ist noch die Zahl der Pfennig- und D-Mark-Münzen auf deren Rückgabe die Bundesbank noch wartet. Es sind rund 23 Milliarden Stück. Allein 9,7 Milliarden oder 58 Prozent aller Ein-Pfennig-Stücke sind nach wie vor in Umlauf.

Diese Wartezeit wird noch sehr lang dauern. Selbst wenn – wie 2012 – jedes Jahr rund 20 Millionen Mark der derzeit noch 7,87 Milliarden umlaufenden D-Mark-Münzen bei einer Bundesbank-Filiale zu Euro gemacht werden, wird der letzte Pfennig im Jahr 2356 aus dem Verkehr gezogen worden sein – falls es den Euro dann noch geben sollte. In Wahrheit kann es noch viel viel länger dauern. Denn Jahr für Jahr wird weniger altes Geld zur Bundesbank gebracht und dort zu Euro gemacht.

Weit weniger hängen die Menschen weltweit offenbar an den alten Banknoten. Von diesen wurden 2012 immerhin 100 Millionen Euro umgetauscht. Ginge das so weiter, könnte es bereits in 62 Jahren so weit sein: Die D-Mark-Scheine wären Geschichte. Doch auch dieses Ende ist unwahrscheinlich. Denn niemand glaubt ernsthaft daran, dass je alles alte Geld zurückgegeben wird.

Aus rechtlicher Sicht kann man eigentlich warten. Denn anders als in den meisten anderen Euro-Ländern hat Deutschland eine Ewigkeitsgarantie gesetzlich fixiert. Die Mark kann demnach zeitlich unbegrenzt in Euro umgetauscht werden. Das gilt sogar, wenn man einen Plastikbeutel völlig verrotteter Scheine aus dem Kompost fischt. Solange der Silberstreifen noch vorhanden ist, hat man einen Wertnachweis.

So kann jeder D-Mark-Sammler damit rechnen, dass er zumindest den Nominalwert des gehorteten Geldes wieder zurückbekommt. Manche wollen aber weit mehr. Tatsächlich sind einige seltene D-Mark-Münzen gesuchte Sammlerstücke und erreichen ein Vielfaches ihres früheren Wertes. In den meisten Fällen aber nur, wenn sie nicht abgenutzt wurden oder – schlimmer – von wohlmeinenden Eigentümern auf Hochglanz poliert.

Andere spekulieren mit ihren Münzsammlungen auf steigende Rohstoffpreise und wollen damit den Nominalwert übertrumpfen. Die Rechnung wird in den meisten Fällen nicht aufgehen. Denn selbst wenn der Kupfer- oder Silbergehalt der alten Münzen den Nennwert deutlich übersteigen sollte, muss man noch die Kosten für die Scheidung der verwendeten Legierungen (die Trennung in die ursprünglichen Metalle), berücksichtigen. Daraus wird kaum ein Geschäft.

Dagegen verzichten die Menschen, die ihre alten Münzen und Scheine horten, auf erhebliche Zinseinnahmen. Selbst bei einem mageren halben Prozent Sparbuch-Zinssatz ergäbe das jährlich rund 66 Millionen Mark oder knapp 34 Millionen Euro – von denen der Staat per Abgeltungssteuer mehr als acht Milliarden für sich beanspruchen würde (der Sparerfreibetrag wurde in dieser Rechnung außer Acht gelassen).

Die meisten, die großzügig auf die Zinseinnahmen für ihr altes Geld verzichten, denken nicht daran, dass es noch ein zweiten Zinseffekt gibt. Da Notenbanken nur Geld ausgeben, wenn gleichzeitig jemand bei ihr einen Kredit aufnimmt, steht jeder alten Mark ein entsprechendes Schuldenvolumen gegenüber. Für jeden einzelnen Kupferpfennig, der in einer Sofaritze auf seine Wiederentdeckung wartet, zahlt ein bedauernswerter Zeitgenosse auch heute noch Zinsen.

Martin Prem

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