Die Deutschen können's noch: "Erfindergeist ist ungebrochen"

- München - Die Bundesrepublik kam jüngst nicht gut rüber: Ein verkorkstes Mautsystem hier, eine unausgegorene Pfandpflicht für Dosen da. Es schien fast, als ob man den Deutschen ihren Einfallsreichtum geraubt hätte. Falsch. Nach wie vor ist Deutschland eine formidable Erfindernation. Die zahlenmäßig meisten Patente kommen aus Bayern. Bei der Pro-Kopf-Quote führt mittlerweile Baden-Württemberg.

<P>"Der Erfindergeist in Deutschland ist ungebrochen", meint der Präsident des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA), Jürgen Schade. Deutlich wird das an der Zahl der Patentanmeldungen im vergangenen Jahr: 64 500 gingen in der Münchner Behörde ein. Das waren rund 1000 mehr als 2002 und mit 344 nur knapp weniger als im Rekordjahr 2000. Im internationalen Vergleich steht Deutschland damit gut da.</P><P>Zwar liegen für andere Länder noch keine Werte für 2003 vor, aber schon 2002 waren laut Jürgen Schade hierzulande doppelt so viele Patente angemeldet worden wie in England und Frankreich zusammen. "In Europa sind wir Spitzenreiter", erklärt der Amts-Chef. In Japan und den USA liege die Zahl zwar höher, jedoch werde dort die Statistik anders erhoben. Einen Rückgang der Innovationsfähigkeit in Deutschland will Schade nicht erkennen.</P><P>Nach wie vor die meisten Erfindungen, nämlich 27,2 Prozent, dachten sich die Bayern aus. Allerdings ging diese Zahl seit 2001 um 0,4 Prozent leicht zurück. Gleichzeitig machte das zweitplatzierte Baden-Württemberg Boden gut: Sein Anteil an den Patentanmeldungen wuchs im selben Zeitraum von 22,6 auf 26,5 Prozent. Setzt man die Werte in Relation zur Einwohnerzahl, wird klar, dass die Bayern nicht mehr die Innovationsmeister sind: Denn aus dem Nachbarländle kamen im vorigen Jahr pro 100 000 Einwohner 130 Patentanmeldungen, aus Bayern nur 115. Vor zwei Jahren hatte Bayern noch mit 119 zu 113 geführt.</P><P>Diese Entwicklung wird aber weder von Politik noch von der Wirtschaft dramatisiert. Aus dem bayerischen Wirtschaftsministerium heißt es, man sei ob des leichten Rückgangs in Bayern nicht besorgt. Allerdings müsse man sich ansehen, ob in Baden-Württemberg angesichts des Patent-Booms etwas besser gemacht werde. </P><P>Ein Sprecher der dortigen Landesregierung meinte gegenüber unserer Zeitung, der Anstieg liege wahrscheinlich an der optimierten Verknüpfung von Forschung und Industrie.<BR>"Man kann aus diesen Zahlen keinen Trend ablesen, erklärt der Chef der Patentabteilung der Münchner Siemens AG Siemens, Winfried Büttner. Ebenso sieht man es in der Daimler-Chrysler-Zentrale in Stuttgart: "Man darf die Patent-Zahlen nicht überbewerten", sagt eine Sprecherin. Schwankungen bei den Anmeldungen seien völlig normal. Der Autobauer hat ebenso wie Siemens 2003 mehr Innovationen angemeldet als im Vorjahr.</P>

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