Die deutschen Landesbanken im Hochzeits-Fieber

München - Die Landesbanken suchen ihr Heil in Fusionen. Anders dürften viele den knallharten Wettbewerb in der Finanzbranche kaum überstehen.

Früher war alles anders: Da hielten die Landesregierungen ihre Hände über die Landesbanken. Anstaltslast und Gewährträgerhaftung nannten sich die Prinzipien, die verhinderten, dass die halbstaatlichen Geldhäuser Pleite gehen konnten. Sie verfügten deswegen über eine Super-Bonität, konnten sich am Kapitalmarkt günstig Geld besorgen und zu unschlagbaren Konditionen weiterverleihen. Doch dann zog ihnen die EU den Boden weg: auf Druck von Brüssel fielen die Staatsgarantien und die Landesbanken büßten ihre Top-Ratings ein.

Seitdem gehen die Institute, die meist regionalen Sparkassenverbänden und Landesregierungen gehören, noch immer ihren traditionellen Aufgaben nach. Sie verwalten die Liquiditätsreserven der Sparkassen, wickeln deren Zahlungsverkehr ab oder bedienen die Länder mit Finanzdienstleistungen. Doch zugleich suchen die Banker fieberhaft nach neuen Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

Die Wege führen in verschiedene Richtungen: So hat sich die BayernLB in Osteuropa ein neues Standbein geschaffen, die LBBW im Privatkundengeschäft, und die HSH Nordbank finanziert Schiffe. Doch während diese Institute den Wandel erfolgreich meistern konnten, haben es andere weniger gut getroffen. Erst kürzlich rissen Spekulationen ein Loch in die Bilanz der WestLB; im August musste sich die SachsenLB in die Arme der LBBW retten.

Viele Finanzexperten sind schon lange der Ansicht, dass die Landesbanken nur überleben können, wenn sie sich zusammentun. "Die meisten sind zu klein, um selbstständig existieren zu können", sagt etwa der Finanzminister Baden-Württembergs, Gerhard Stratthaus. Spätestens seit dem Fall der SachsenLB spielen die Landesregierungen und Sparkassen deswegen wieder Fusionsszenarien durch. Ein hochrangiger Banker sagt: "Jeder spricht mit jedem."

Am wahrscheinlichsten scheint derzeit eine Hochzeit zwischen der BayernLB und der LBBW. So loten München und Stuttgart bereits Details einer Fusion aus. Doch es gibt auch andere Optionen: Beide Seiten flirten nebenher mit WestLB in Düsseldorf. Selbst ein Dreier-Bund scheint möglich und mancher schließt nicht aus, dass noch die Norddeutschen ihren Hut in den Ring werfen.

Allerdings erklingen auch Stimmen, die vor voreiligen Schritten warnen. "Die Strategie, die ich von manchen aus Stuttgart und Berlin höre, ist: Wir haben zwar alle kein Geschäftsmodell, aber jetzt machen wir eine schöne, große Bank wie die Deutsche Bank", sagt der NRW-Ministerpräsident, Jürgen Rüttgers. "Diese Großbank hat dann aber auch kein Geschäftsmodell und dreht nur ein großes Rad."

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