Deutscher Schraubenriese geht pleite – Stellenabbau und Standortschließungen ohne Erfolg
Die belastende Wirtschaftssituation führte zu vielen Insolvenzen. Jetzt ist ein Schraubenhändler mit 600 Beschäftigten betroffen.
Herford – Die deutsche Wirtschaft kommt nicht in Schwung. Nach zwei Jahren Rezession droht nun das dritte Jahr in Folge ohne Wachstum. Dabei sorgte der Zollkonflikt mit der US-Regierung um Donald Trump zunächst für große Unsicherheit, bis es zum Kompromiss kam. Dennoch: Firmen leiden unter den Rahmenbedingungen – und rutschen im Extremfall in die Insolvenz.
Händler Dresselhaus rutscht in die Insolvenz – wegen „wirtschaftlichen Herausforderungen“
So hat es auch die Joseph Dresselhaus GmbH & Co. KG aus Herford in Nordrhein-Westfalen getroffen. Das Unternehmen vertreibt sogenannte C-Teile, das sind etwa Schrauben und Muttern, an Handwerksbetriebe und Industrie. 600 Beschäftigte sind an Standorten in Deutschland, Russland, Italien, Österreich und in der Türkei tätig. 2023 lag der Umsatz bei 209 Millionen Euro. Dresselhaus machte dabei auch 21 Millionen Euro Gewinn – der laut Wirtschaftswoche jedoch auf Verkäufe in Höhe von 24,9 Millionen Euro zurückzuführen ist. Ansonsten wäre das Jahr mit einem Verlust abgeschlossen worden.

Nun führten jedoch „anhaltende wirtschaftliche Herausforderungen“ in die Insolvenz des Händlers, wie Geschäftsführer Markus Schörg laut Wirtschaftswoche erklärte. „In den vergangenen Monaten haben wir bereits Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung und operativen Sanierung ergriffen“. Dennoch konnten die geplanten Schritte nicht vollständig und schnell genug umgesetzt werden, da die „erforderlichen finanziellen Mittel nicht zur Verfügung“ standen.
Bisherige Einsparungen konnten Dresselhaus-Insolvenz nicht verhindern
Bei den bisherigen Sanierungsversuchen hat Dresselhaus laut Wirtschaftswoche Ende 2024 den Abbau von 50 Stellen angekündigt. Dazu war zum 31. Juli 2025 die Schließung des Standorts im baden-württembergischen Urbach geplant. Dazu ist bereits seit 2020 mit dem Private-Equity-Unternehmen Nimus ein Investor dabei, der über ein „ausgezeichnetes Verständnis unseres Geschäftsmodells und Marktes“ habe, wie das Wirtschaftsmagazin aus einer alten Meldung des Unternehmens selbst zitiert.
Jetzt will das Unternehmen das Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung angehen, wie es am Freitag, 25. Juli, kommuniziert hat. Das zuständige Amtsgericht Bielefeld habe dem Antrag bereits zugestimmt. Nun sollen „alle zur Verfügung stehenden Sanierungsoptionen geprüft“ werden, „um das Unternehmen neu auszurichten und den Fortbestand der Dresselhaus Unternehmensgruppe langfristig zu sichern“. Die Eigenverwaltung ermöglicht es, den „notwendigen Transformationsprozess strukturiert und zügig“ durchzuführen.
Tagesgeschäft von Dresselhaus soll trotz Insolvenzverfahren weiterlaufen
Rechtsanwalt Marc-Philippe Hornung, der über „langjährige Erfahrung im Bereich Eigenverwaltung“ verfüge und „eine Vielzahl von Unternehmen in anspruchsvollen Sanierungssituationen“ begleitet habe, werde die Sanierung leiten, wie seine Kanzlei SZA mitteilte. Unterstützung erhält er von Thomas Rieger von der Kanzlei GÖRG. Geschäftsführer Schörg werde das Tagesgeschäft „vollumfänglich“ weiterführen.