Deutscher Werftenriese perfekt

- Kiel/Essen - In einem Verbund nehmen Deutschlands große Werften jetzt Kurs auf den stürmischen Weltmarkt. Thyssen-Krupp und der US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) haben den Vertrag zum Werftenverbund unterschrieben. Von Hamburg aus werden künftig die Howaldtswerke-Deutsche Werft AG und die Werften von Thyssen-Krupp in Hamburg und Emden geführt.

<P>Der Zusammenschluss gilt als Zwischenschritt auf dem Weg zu einem europäischen Werftenverbund. Monatelang hatten die Anteilseigner mit den Betriebsräten und der IG Metall über die Struktur des geplanten Verbundes und Beschäftigungszusagen verhandelt. Grundsätzlich war die Fusion von der Arbeitnehmerseite begrüßt worden. "Der deutsche Schiffbau muss optimiert werden", hatte IG-Metall-Vize Berthold Huber in Kiel betont. Nur so könne es gelingen, vor allem gegen die Konkurrenz in Asien konkurrenzfähig zu bleiben.<BR><BR>Besonders umstritten waren zunächst Pläne des Managements, sich auf den Militärschiffbau zu konzentrieren. Dagegen hatte es vor allem bei HDW massiven Widerstand gegeben. Die Kieler wehrten sich erfolgreich dagegen, künftig nur noch die U-Boote zu bauen. Der Überwasserschiffbau soll an der Förde vorerst fortgesetzt werden, allerdings in einer eigenen GmbH.<BR><BR>Nach Ansicht von Branchenkennern bringt der neue Verbund vor allem HDW Perspektiven. Die häufig wechselnden Eigentümer und die damit oft unklare Strategie des Unternehmens lähmte die große deutsche Werft. HDW litt darunter, dass Eigentümer Preussag sich gerade aus der Industrie zurückzog und wenig Interesse am Schiffbau hatte. Babcock hatte selbst massive finanzielle Probleme, und OEP sah in der Universalwerft nur eine reine Kapitalanlage. Diese Verhältnisse vereitelten auch die Pläne für den schon in den 90er-Jahren geplanten Werftenverbund. Damals sollten die Thyssen Nordseewerke in Emden, Blohm + Voss in Hamburg und der inzwischen erloschene Bremer Vulkan mit HDW zusammengeschlossen werden. Doch zu konkreten Ergebnissen kam es nicht.<BR><BR>Die Fusion wird nach dem derzeitigen Stand 560 der derzeit etwa 9300 Stellen an den Werftstandorten kosten. Für die IG Metall sei dies ein Erfolg, sagte IG Metall Küste-Bezirksleiter Frank Teichmüller, schließlich stand zu Beginn der Fusionsverhandlungen die Streichung von 1300 Beschäftigten auf der Agenda der Arbeitgeber. Hier wäre vor allem Kiel betroffen gewesen. Eine verstärkte Auftragsakquise, vor allem im Containerschiffbau, könne weitere Arbeitsplätze sichern, betonte Teichmüller.<BR><BR>Ob der Verbund nun in ein ruhigeres Fahrwasser steuert, bleibt ungewiss. Die Diskussion über einen europäischen Werftenverbund wird in Kürze wohl erneut für raue See sorgen.<BR><BR></P>

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