Deutsches Defizit etwas niedriger als erwartet

Luxemburg - Das deutsche Staatsdefizit war im vergangenen Jahr mit 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts um 0,1 Punkte niedriger als bisher von der europäischen Statistikbehörde Eurostat angenommen. Wie die EU-Behörde in Luxemburg mitteilte, betrug der Durchschnitt der Neuverschuldung in den 13 Staaten mit der Euro-Währung 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), dies seien ebenfalls 0,1 Punkte weniger als bisher erwartet.

2005 waren es im Euro-Gebiet noch 2,5 Prozent gewesen. Gründe für den starken Rückgang war die gute Konjunktur und sprudelnde Steuereinnahmen.

Beim gesamtstaatlichen Schuldenstand lag Deutschland laut den neuesten Eurostat-Zahlen bei 67,5 Prozent des BIP, 0,4 Punkte weniger als bisher mitgeteilt. Erlaubt sind höchstens 60 Prozent des BIP.

Für das laufende Jahr rechnet Deutschland nach früheren Angaben der Bundesregierung dank des Konjunktur- und Beschäftigungsbooms mit einem ausgeglichenen Staatshaushalt. Berlin meldete ein Defizit von voraussichtlich 0,1 Prozent nach Brüssel.

Eine größere Eurostat-Korrektur gab es für Griechenland. Athen hatte 2006 für die davorliegenden Jahre nachträglich jeweils 25 Prozent mehr Wirtschaftswachstum gemeldet; letztlich anerkannt wurden jetzt nur 9,6 Prozent mehr. Das griechische Defizit betrug im vergangenen Jahr nach neuesten Zahlen 2,5 Prozent des BIP.

Während das deutsche Defizit sinkt, ist die Wirtschaft in Deutschland auch im dritten Quartal gewachsen. Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank auf Grundlage der bislang vorliegenden Indikatoren hat die gesamtwirtschaftliche Aktivität im Sommer spürbar zugenommen.

Im ersten Halbjahr hätten die Mehrwertsteuereffekte den privaten Konsum und den Wohnungsbau noch erheblich gedämpft, schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Im dritten Quartal dürften die wachstumsbremsenden Mehrwertsteuereffekte nachgelassen haben, sodass die zyklischen Auftriebskräfte wieder mehr zum Tragen gekommen seien.

Laut Bundesbank ist die deutsche Wirtschaft in den Monaten von Juli bis September mit einer höheren Rate als im Durchschnitt des ersten Halbjahrs gewachsen. Dabei seien verstärkt Impulse aus dem Inland gekommen. Der private Konsum habe sich bei verhaltenen Umsätzen des "klassischen Einzelhandels" vor allem aufgrund der beträchtlichen Zunahme des Kraftfahrzeug-Handels merklich belebt. Bei den Ausrüstungsinvestitionen sei mit einer Fortsetzung der stabilen Aufwärtsentwicklung und bei den Bauinvestitionen mit einem weiteren Anstieg zu rechnen.

Die Exporte seien in den Sommermonaten spürbar aufwärtsgerichtet gewesen. Auch die Einfuhren hätten kräftig zugenommen. Die hohen Importe könnten von den Unternehmen nicht zuletzt dazu genutzt worden sein, ihre Läger wieder aufzufüllen, schreibt die Bundesbank. (dpa)

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