Stahlbauer zieht Reißleine – und trennt sich von deutschem Traditionsunternehmen
Die Stahlbranche leidet unter erschwerten Marktbedingungen. Voestalpine, ein Hersteller aus Österreich, zieht die Reißleine. Er verkauft einen Deutschland-Ableger.
Linz – Hohe Energiepreise und eine verhaltene Nachfrage erschweren den deutschen Stahlbauern derzeit das Geschäft. Wie sich das auch auf Österreich auswirkt, zeigte nun der Fall der Voestalpine AG, einem Stahlkonzern aus Österreich. Wegen „veränderten ökonomischen Randbedingungen“ zieht das Unternehmen Konsequenzen.
| Unternehmensname | Voestalpine AG |
|---|---|
| Erwartetes Ergebnis vor Steuern (2024) | 1,6 Milliarden Euro (vorige Prognose 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro) |
| Rohstahlproduktion Deutschland | 3,1 Millionen Tonnen (Januar 2024) |
Voestalpine trennt sich von deutschen Standorten – zu unsicheres Geschäftsklima
In einer Unternehmensmeldung teilte Voestalpine mit, bei den Produktionsstandorten in Deutschland wolle es eine Reorganisation vornehmen. Konkret heißt das, dass Voestalpine die Deutschland-Tochter Buderus Edelstahl verkaufen will. „Dieser Schritt erfolgt in konsequenter Umsetzung der Strategie des Voestalpine-Konzerns, den Werkstoffbereich auf das höchste Qualitätsspektrum zu fokussieren“, teilte das Unternehmen dazu mit. Bei Buderus Edelstahl sind nach eigenen Angaben rund 1.250 Angestellte tätig, darunter über 50 Lehrlinge.

Durch diesen Verkauf und „außerplanmäßige Abschreibungen“ der High Performance Metals Division (die unternehmensinterne Bezeichnung für die Sparte Edelstahl-Produktion) würden sich negative Einmaleffekte im Ergebnis (EBIT) ergeben – hier handelt es sich um eine Summe von rund 340 Millionen Euro. Voestalpine verspricht sich davon: „Die damit einhergehende Optimierung des Produktportfolios stärkt die Position der High Performance Metals Division im globalen Wettbewerb nachhaltig.“
Prognose für 2024 – Voestalpine passt Zahlen an
Im Sektor Automotive Components – also dem Automobilzulieferer – hatte sich Voestalpine bereits vom deutschen Produktionsstandort in Nagold getrennt. Hier nehme das Management eine „zielgerichtete Anpassung“ auf die strukturelle „Unterauslastung“ in Deutschland vor.
Für 2024 senkt Voestalpine seine Geschäftsaussichten. Der Grund dafür waren die schon erwähnten Einmaleffekte. Nun erwartet der Konzern ein Ergebnis von rund 1,6 Milliarden Euro. Zuvor hatte Herbert Eibensteiner, Vorstandschef bei Voestalpine, ein Ergebnis zwischen 1,7 Milliarden und 1,9 Milliarden Euro erwartet. Im Geschäftsjahr 2022/23 hatte Voestalpine ein Rekordergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 2,5 Milliarden Euro erzielt.
Stahlbranche fordert mehr „Transformationsrealismus“ von der Regierung
Aus der Stahlindustrie kamen nun – wie zum Beispiel aus der Solarbranche auch – Forderungen nach einem Eingreifen der Ampel-Koalition. Die Strom- und Gaspreise seien in Deutschland derartig hoch, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit der Stahlindustrie unter Druck setzen. Der ganze Wirtschaftsstandort Deutschland sei gefährdet. Bernhard Osburg, der Vorstandschef der Stahlsparte von Thyssenkrupp, forderte „einen energiepolitischen Masterplan, der diesen kommenden Realitäten Rechnung trägt“.
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Dies müsse eine „Top-Priorität“ in der nationalen und internationalen Agenda sein. „Die Existenz der Stahlindustrie in Deutschland wird langfristig davon abhängen“. Von der Bundesregierung verlangte Osburg mehr „Transformationsrealismus“. Es gebe noch kein zielführendes Energie-Ökosystem. Der Thyssenkrupp-Manager nennt hier den Infrastrukturausbau, einen Preiskorridor für Industriestrom zwischen 40 und 60 Euro pro Megawattstunde und niedrigere Netzentgelte. „Gerade die Konstruktion der Energiemärkte wird aus unserer Perspektive mitentscheiden, ob die nächsten Transformationsschritte in Deutschland stattfinden oder woanders.“
Schwache Produktion in der Stahlbranche – Trendwende nicht in Sicht
Die Probleme in der Stahlbranche gehen aktuell bereits bei der Rohstahlerzeugung los. Zwar produzierten die zuständigen deutschen Unternehmen im Januar 3,1 Millionen Tonnen Rohstahl (etwa fünf Prozent mehr als im Vorjahresmonat), aber eine Trendwende ist nicht in Sicht. „Das Jahr 2023 war das produktionsschwächste seit der Finanzkrise und die Produktion befindet sich nach wie vor auf einem sehr niedrigen Niveau,“ sagte Dr. Martin Theuringer, Geschäftsführer und Chefvolkswirt der Wirtschaftsvereinigung Stahl, in einer Verbandsmitteilung.
Dies werde besonders in der Elektrostahlproduktion deutlich. Hier gab es im Januar einen Zuwachs um neun Prozent, insgesamt falle sie trotzdem „besonders niedrig“ aus. Im Jahr 2021 habe die Elektrostahlproduktion rund 14 Prozent über dem Ergebnis vom Januar 2024 gelegen. Zuletzt traf die Krise in der Stahlindustrie auch Thyssenkrupp – das Unternehmen schrieb einen Millionenverlust.