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Angela Merkel bekam von den Wirtschaftsweisen das Jahrsgutachten überreicht.

Deutsches Wirtschaftswachstum in Gefahr

Berlin - Deutschland erwirtschaftet dieses Jahr 2,46 Billionen Euro. Sollte sich der Euro nicht stabilisieren, kann es zu höherer Arbeitslosigkeit und weniger Steuereinnahmen kommen.

Deutschlands Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr dürfte stark von der Entwicklung der Euro-Krise abhängen. Das sagte der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, der Nachrichtenagentur dapd am Mittwoch. Zuvor hatten die fünf Volkswirte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Jahresgutachten übergeben. Darin stand auch, dass Merkel mit weniger Steuereinnahmen und höherer Arbeitslosigkeit rechnen muss, sollten die Regierungskrisen in Rom und Athen die Euro-Rettung behindern.

In ihrem Gutachten gehen die Sachverständigen bisher davon aus, dass die Eurozone zur Ruhe kommt. Sollte diese “Rückkehr zur Normalität“ eintreten, darf Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent erwarten. Das ist zwar ein starker Abschwung von den drei Prozent, die für dieses Jahr erwartet werden - doch die Arbeitslosigkeit würde dennoch auf unter drei Millionen sinken.

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Weitet sich die Schuldenkrise dagegen aus, wie es auch die Finanzmärkte zu erwarten scheinen, wäre das am deutschen Arbeitsmarkt zu spüren. Die Wirtschaftsweisen erwarten in diesem Falle ein Wachstum von gerade 0,4 Prozent in 2012. Das allein wäre genug, um die Arbeitslosigkeit auf mehr als drei Millionen steigen zu lassen. Merkels Regierung dürfte dann neu rechnen, denn die Steuerschätzung der Berliner Koalition legte ein Wachstum von einem Prozent zugrunde.

Anstieg der Arbeitslosigkeit und geringere Steuereinnahmen

“Die Regierungen im Euro-Raum müssen die Spirale der Verunsicherung auf den Finanzmärkten durchbrechen“, sagte Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), “nur dann wird die exportorientierte deutsche Wirtschaft weiter wachsen.“

Noch schlimmer käme es nämlich, wenn die Euro-Krise auch den Welthandel in Mitleidenschaft ziehen würde. Davor hatte der amerikanische Präsident Barack Obama am Freitag beim G-20-Gipfel im französischen Cannes gewarnt. Auch die Wirtschaftsweisen teilen diese Sorge. So schreiben sie: “Die Unsicherheiten über die Lösung der Staatsschuldenkrise können maßgeblichen Einfluss auf den Welthandel haben.“ Im Fall weltweiter Schwierigkeiten müsste auch Deutschland mit einem Dämpfer rechnen, weil es weniger exportieren kann. “Bei einem weltweiten Abschwung“ wäre sogar ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität von 0,5 Prozent zu erwarten, sagte Franz.

Bis zu 12,3 Milliarden Euro weniger Güter und Services

Zum Vergleich: Wenn man alle produzierten Dienstleistungen und Güter zusammenzählt, erwirtschaften die Deutschen dieses Jahr noch etwa 2,46 Billionen Euro. Bei einem Rückgang um 0,5 Prozent wären es etwa 12,3 Milliarden Euro weniger - statt 24,6 Milliarden Euro mehr, wie vom Wirtschaftsministerium erwartet.

Um den Risiken vorzubeugen, müsse “jetzt die Binnennachfrage gestärkt werden“, sagte Claus Matecki, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes. “Dazu müssen prekäre Arbeitsverhältnisse, Minijobs und Leiharbeit zurückgedrängt und endlich ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt werden“, sagte er weiter.

dapd

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