Deutschland 2005 wieder Exportweltmeister

- Wiesbaden - Deutschland hat 2005 mit einem Ausfuhrrekord zum dritten Mal in Folge den Titel des Exportweltmeisters gewonnen. Der Wert der exportierten Waren "made in Germany" wuchs im vergangenen Jahr um 7,5 Prozent auf 786,1 Milliarden Euro - das war ein historischer Rekord seit Bestehen der Außenhandelsstatistik 1949 und weltweit der Spitzenplatz, berichtete das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden auf Basis vorläufiger Zahlen.

"Das dürfte reichen für den Weltmeistertitel" sagte Dirk Mohr vom Statistischen Bundesamt. Die USA als Nummer zwei im Welthandel haben dagegen voraussichtlich nur Güter im Wert von umgerechnet rund 772 Milliarden Euro ins Ausland verkauft. Auf Platz drei rangiert die wachsende Exportmacht China mit knapp 640 Milliarden Euro.

Die deutschen Exporte brachen im vergangenen Jahr alle Rekorde. Ökonomen führen dies auf den Boom der Weltwirtschaft und die relativ niedrigen Lohn- und Preissteigerungen im vergangenen Jahr zurück. Der etwas schwächere Euro habe die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmer gestärkt. Während die Inlandsnachfrage weiter schwächelt, gilt der Export als wichtigster Wachstumstreiber für die Wirtschaft. Die Ausfuhren trugen 2005 mit 0,7 Prozentpunkten zum gesamten Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent bei.

Die deutschen Exporteure erzielten auch einen neuen historischen Höchstwert in der Außenhandelsbilanz - dem Saldo von Exporten und Importen. Der Überschuss stieg auf 160,5 Milliarden Euro nach 156 Milliarden Euro in 2004. Die Bundesregierung sowie Verbände rechnen für das laufende Jahr mit einem weiteren Exportwachstum von mindestens sechs Prozent. Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) geht davon aus, dass Deutschland auch 2006 wieder den Weltmeistertitel erringt. Der Außenhandel sei das "Aushängeschild" der deutschen Volkswirtschaft, sagte BGA-Präsident Anton Börner.

Noch stärker als die Exporte legten im vergangenen Jahr die Importe zu mit plus 8,7 Prozent auf 625,6 Milliarden Euro. Ein Grund dafür ist der Preisanstieg bei Öl und anderen Rohstoffen, der die Einfuhren verteuerte. Volkswirte sehen darin auch ein Zeichen, dass sich die seit Jahren stagnierende inländische Nachfrage belebt. Das Importwachstum zeige zudem, dass deutsche Firmen immer mehr Vorprodukte im Ausland fertigen und nach Deutschland zur Endmontage bringen lassen. Der Verband verteidigte diese Verlagerung. "Ohne die importierten Vorleistungen könnte Deutschland nicht annähernd so erfolgreich auf die Weltmärkte exportieren", sagte der BGA-Präsident.

Exportschlager waren 2005 laut Statistikern Autos, Maschinen, Anlagen und Chemieprodukte. Die stärkste Zuwachsrate erzielten Autos mit plus elf Prozent. Der wichtigste Markt für deutsche Güter sind nach wie vor die Länder der Europäischen Union, in die mit 498,5 Milliarden Euro (plus 6,9 Prozent) fast zwei Drittel der deutschen Warenlieferungen gingen. Die Relation zwischen Euro und Dollar fällt deswegen im Außenhandel weniger ins Gewicht. Wichtigster Abnehmer deutscher Waren ist Frankreich, gefolgt von den USA und Großbritannien.

Gleichzeitig profitierte Deutschland 2005 in hohem Maß von der steigenden Nachfrage aus den Erdöl exportierenden Ländern im Mittleren und Nahen Osten, die ihre "Petrodollar" in deutsche Maschinen und Anlagen investierten. Auch nach China bauten die Exporteure ihre Ausfuhren deutlich aus. Die Exporte in Länder außerhalb der EU wuchsen um 8,4 Prozent auf 287,6 Milliarden Euro.

Zum Jahresende beschleunigte sich die Exportentwicklung. Im Dezember 2005 legten die Ausfuhren um 11,5 Prozent auf 66,6 Milliarden Euro zu. Gleichzeitig kletterten die Importe aber deutlich stärker um 17,4 Prozent auf 57,4 Milliarden Euro. "Der Außenhandel dürfte im vierten Quartal keinen positiven Wachstumsimpuls geliefert haben", sagte Volkswirt Alexander Koch von der HVB-Groupe. Die meisten Volkswirte rechnen mit einer Stagnation der Konjunktur zum Jahresende 2005.

Die SPD-Bundestagsfraktion begrüßte die Daten als Beweis für die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. "Die jetzige Regierungskoalition wird den binnenwirtschaftlichen Aufwärtsprozess mit dem 25-Milliarden-Investitionspaket nachhaltig stärken", sagte der stellvertretende Vorsitzende Ludwig Stiegler. Die Tarifpartner sollten in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie mit "wachstumsgerechten Löhnen" dem privaten Konsum weiteren Schub geben.

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