Deutschland ade: Studie prophezeit Massenabwanderung bis 2009

- München - Deutschland drohen in den kommenden fünf Jahren angeblich zwei Millionen Arbeitsplätze verloren zu gehen. Das teilte der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM) mit. Die Unternehmen würden gegenüber den vergangenen Jahren deutlich mehr Verlagerungen ins Ausland planen, hieß es unter Berufung auf eine Studie der Technischen Universität München. Dies betreffe besonders kleine und mittelständische Betriebe.

<P>Während bislang nicht einmal jedes dritte Industrie-Unternehmen Verlagerungen geplant habe, seien es künftig fast doppelt so viele. Aus zuletzt rund 100 000 pro Jahr verlagerten Stellen würden nun 150 000 werden. "Das summiert sich bis 2009 auf 800 000 Industrie-Arbeitsplätze", sagte Stephan Götzl, Hauptgeschäftsführer des VBM. Die Studie unterstellt, dass mit jedem verlagerten Job 1,5 weitere Stellen verschwinden würden, die damit verbunden sind - etwa bei Dienstleistungen und Handwerk. So errechne sich ein Wert von zwei Millionen Arbeitsplätzen. "Besonders erschreckend sind die geplanten Steigerungen im Mittelstand", sagte Götzl. Die Rechtssicherheit in den EU-Beitrittsländern ermögliche auch kleineren Betrieben, Aktivitäten dorthin zu verlagern, erklärte Horst Wildemann, Professor an der TU München, dessen Lehrstuhl für die Studie 93 Unternehmen sowie weitere Experten befragt hat. Hierbei spiele auch die räumliche Nähe Bayerns zu Tschechien und der Slowakei eine Rolle. Zudem würden die Mittelständler, die häufig als Zulieferer arbeiten, von ihren Abnehmern gedrängt, Kostenvorteile im Ausland wahrzunehmen.</P><P>Viele der Verlagerungen erweisen sich aber als Flop und werden rückgängig gemacht. Etwa die Hälfte der verlagerten Forschungs- und Entwicklungsabteilungen seien wieder nach Deutschland geholt worden, schilderte Wildemann. Die unmittelbare Kommunikation mit Kunden und Zulieferern sei ein wichtiges Argument, nicht ins Ausland zu gehen. Auch bei der Produktion seien Rückverlagerungen festzustellen. Insgesamt werde fast jede zehnte Verlagerung revidiert. "Viele Unternehmen, die ihr Glück im Ausland versuchen, schätzen die damit verbundenen Risiken teils dramatisch falsch ein", erklärte Götzl.</P><P>Zu den bevorzugten Verlagerungszielen zählen der Studie zufolge die EU-Beitrittsstaaten sowie das darüber hinausgehende Osteuropa, China und Indien. Aber auch Österreich kann im Standortwettbewerb punkten, wie die Ansiedlungsagentur "Austrian Business Agency" mitteilte. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres schloss die ABA 79 Investitionsprojekte erfolgreich ab. Das seien 88 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2003. 48 dieser Investitionsprojekte kämen aus Deutschland, am stärksten aus den Bereichen Informationstechnologie und Logistik, was einer Steigerung von 78 Prozent gegenüber 2003 entspreche. Bei den noch in Verhandlungen stehenden Projekten sei die Steigerungsrate 59 Prozent. "Vermutlich trägt die wirtschaftliche Situation in Deutschland ihren Teil zu dem immer größer werdenden Interesse deutscher Unternehmen am Standort Österreich bei", sagte René´ Siegl, Geschäftsführer der Agentur.<BR></P>

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