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Fachkräfte, die sich um die Pflege alter Menschen in Deutschland kümmern, werden dringend gesucht – auch im Ausland. Im Jahr 2030 fehlen in Deutschland nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung eine halbe Million Pflegekräfte.

Fachkräftemangel

Wer in Deutschland arbeiten darf

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München - In Deutschland herrscht Fachkräftemangel, in anderen Ländern Massenarbeitslosigkeit. Wer sein Glück auf dem deutschen Arbeitsmarkt versuchen will, hat es aber gar nicht so einfach.

In Deutschland herrscht Fachkräftemangel, in anderen Ländern Massenarbeitslosigkeit. Wer sein Glück auf dem deutschen Arbeitsmarkt versuchen will, hat es aber gar nicht so einfach. Nicht jeder darf in Deutschland arbeiten – auch wenn der Weg nicht mehr so steinig ist wie früher.

 Das Blatt hat sich gewendet. Noch vor ein paar Jahren vermittelte die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) arbeitslose Deutsche nach Südeuropa – in Spanien wurden händeringend Arbeitskräfte gesucht. Die Arbeitslosenquote in Deutschland war bis 2006 zweistellig – heute liegt sie bei 6,6 Prozent. Die ZAV, die zur Bundesagentur für Arbeit gehört, sucht heute im Ausland nach Fachkräften für Deutschland. In zahlreichen Branchen fehlen geeignete Mitarbeiter. In Südeuropa finden dagegen viele keinen Job. Eigentlich eine passende Kombination. Allerdings ist es gar nicht so einfach, als Ausländer in Deutschland zu arbeiten.

Es gibt verschiedene Vorschriften je nach Herkunftsland und Qualifikation. Für EU-Bürger sind die Regeln noch relativ einfach: Innerhalb der EU herrscht Freizügigkeit. Jeder kann leben und arbeiten, wo er möchte – ohne Einschränkung. Das gleiche gilt für Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Bei Bürgern aus Bulgarien und Rumänien besteht noch bis 2014 eingeschränkte Freizügigkeit. Das bedeutet, dass vor der Arbeitsaufnahme eine Arbeitsgenehmigung beantragt werden muss. Ausnahmen gelten für Uni-Absolventen und Auszubildende.

Kompliziert wird es für Menschen aus sogenannten Drittstaaten außerhalb der EU – wobei sich hier in den vergangenen Monaten einiges getan hat. „Der Zugang nach Deutschland ist leichter geworden“, sagt Beate Raabe, Sprecherin der ZAV. „Die rechtliche Lage ist im Vergleich mit anderen Ländern mittlerweile liberaler.“ Allerdings sei das bei Bewerbern im Ausland noch wenig bekannt.

Im August 2012 wurde die Blaue Karte EU (Blue Card) eingeführt. Sie soll Hochqualifizierten aus Drittländern den Weg nach Deutschland erleichtern. Allerdings gelten klare Regeln: Interessenten brauchen einen anerkannten Hochschulabschluss und einen Arbeitsplatz mit einem Bruttojahresgehalt von mindestens 46 400 Euro. Bei Fachkräften aus den Bereichen Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik genügt ein Jahresgehalt von 36 192 Euro. Anlaufstelle für Interessenten ist die Ausländerbehörde in Deutschland – oder die deutsche Botschaft im Ausland.

Die Fachkräftelücke besteht allerdings nicht nur aus Akademikern – es fehlen vor allem Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Seit Juli 2013 gilt deshalb eine neue Beschäftigungsverordnung. Sie soll die Zuwanderung in diesem Bereich erleichtern. Es wurde eine sogenannte Positivliste festgelegt. Sie beinhaltet 55 Berufe, die in Deutschland als Mangelberufe gelten. Die Liste reicht von Mechatroniker und Elektroniker über Klempner bis zu Krankenschwester und Altenpfleger. Bürger aus Drittstaaten, die eine abgeschlossene Ausbildung in einem dieser Berufe haben, sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt willkommen – vorausgesetzt, ihr Abschluss wird anerkannt und sie haben bereits eine Stelle in Aussicht.

Der wirklich komplizierte Teil auf dem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt ist die Anerkennung von Berufsabschlüssen. Sie ist bei reglementierten Berufen Pflicht – etwa im Gesundheits- oder Erziehungsbereich. Zuständig sind dafür die Bundesländer. Oft ist für eine erfolgreiche Anerkennung auch ein Nachweis von Deutschkenntnissen nötig – damit die Pflegekraft den Patienten auch versteht. „Das ist sinnvoll, aber auch eine zusätzliche Hürde“, sagt Raabe. Das Internet-Portal anerkennung-in-deutschland.de informiert darüber, welche Abschlüsse anerkannt werden müssen – und wer dafür zuständig ist. Ein Beispiel: Eine Altenpflegerin aus Vietnam, die in München arbeiten möchte, muss ihren Abschluss bei der Regierung von Oberbayern anerkennen lassen.

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Als erste Anlaufstelle für ausländische Fachkräfte empfiehlt Raabe allerdings das Internet-Portal „Make it in Germany“ (Schaff es in Deutschland). Dort kann jeder prüfen, ob er in Deutschland überhaupt arbeiten darf und wer der richtige Ansprechpartner ist. Interessierte erfahren hier aber auch, wie das Leben in Deutschland läuft. Es wird erklärt, warum es sich lohnt, hier zu leben und zu arbeiten. Denn Deutschland steht im Wettbewerb um ausländische Fachkräfte. „Die Sprache ist bereits ein deutlicher Wettbewerbsnachteil“, sagt Raabe. Besonders wichtig sei deshalb die Willkommenskultur.

Manuela Dollinger

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