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Interview: Pelletverbandschef über Kostenexplosion und Chancen von Holzpellets - sind sie die Zukunft?

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Von: Matthias Schneider

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Holzpellets
Auch die Preise für Holzpellets sind im Herbst kurzzeitig explodiert. © IMAGO / Shotshop / Antonio Gravante

Pelletverbandschef Martin Bentele spricht im Merkur-Interview über explodierte Kosten von Holzpellets, Feinstaubausstoß und den Schub für die Wärmewende.

München - Gas ist teuer, weil Lieferländer wie die USA und Katar horrende Summen dafür verlangen. Doch auch Holzpellets aus heimischer Produktion haben sich im Preis mehr als verdoppelt. Weshalb das so ist, erklärt Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands, im Interview.

Herr Bentele, vor Kurzem kosteten Holzpellets keine 300 Euro pro Tonne, im Oktober waren es über 800. Kommt Holz jetzt auch aus Russland?

Nein, Deutschland bleibt Selbstversorger. Aber infolge der Energiekrise – also vor allem der hohen Gaspreise – wurde die Pellet-Branche von der hohen Nachfrage förmlich überrumpelt.

Für Pellets braucht es aber spezielle Heizungen – die können doch nicht in so kurzer Zeit massenhaft gebaut worden sein.

Nur zum Teil. Größtenteils hatten wir es aber mit Pellet-Nutzern zu tun, die sich im großen Stil eingedeckt haben. Das sind ähnliche Mechanismen, wie wir sie im Sommer an den Großmärkten für Gas und Strom gesehen haben. Europaweit waren die Strompreise aber auch so hoch, dass es sich für Kraftwerksbetreiber außerhalb Deutschlands gelohnt hat, Pellets zu verstromen.

Woher kommen Pellets – und was bestimmt ihren Preis, wenn es nicht die fossile Konkurrenz ist?

In den letzten zehn Jahren ist der Pelletpreis stabil geblieben, mit Kaufkraftverlust also sogar gesunken, während Öl 30 Prozent teurer wurde. Pellets werden aus Sägespänen hergestellt, also Abfällen der Sägewerke. Ungefähr 40 Prozent eines Baumes enden technisch bedingt so. Die Späne werden getrocknet und unter Druck verpresst. Weil zum Trocknen meist die Abwärme der Maschinen genutzt wird, haben wir keinen zusätzlichen Aufwand. Das hat die Dumpingpreise der vergangenen Jahre ermöglicht. Es hängt also stark davon ab, wie teuer das Bauholz ist. Denn je teurer es ist, desto mehr sägen die Werke – und desto günstiger sind die Pellets.

Häufige Monopolstellung bei Gas und Öl - und wie sieht es bei Pellets aus?

Die hohen Preise bei Gas und Öl haben viel mit Monopolstellungen zu tun. Wie ist es bei den Pellets?

Wir haben hier rund 50 Werke, die Pellets herstellen, die meisten davon in Bayern. Das sorgt für einen funktionierenden Markt: Die Preise sind jetzt wieder auf knapp über 500 Euro gefallen. Das liegt daran, dass die Leute sich jetzt bevorratet haben und praktisch keine Nachfrage herrscht. Normalerweise steigen die Preise Richtung Winter.

Nachwachsend, leistungsstark, regional erzeugt – Pellets wirken perfekt. In Berlin hat man aber den Feinstaubausstoß im Visier.

Bei dieser Diskussion werden alle Holzfeuerungen fälschlicherweise über einen Kamm geschert: Ja, bei mit Scheiten beheizten Kaminöfen kann viel Feinstaub entstehen. Aber Pelletheizungen wurden ja genau dafür entwickelt, nur 20 Gramm Feinstaub – oder weniger – pro Kubikmeter Luft auszustoßen. Das muss der Kaminkehrer übrigens bei Heizungen auch messen – bei Kaminöfen nicht, da reicht es, ein bestimmtes Modell zu kaufen. Außerdem hat der Besitzer bei Pelletfeuerungen keine Möglichkeit, falsch zu heizen, weil sie vollautomatisch laufen. Deshalb habe ich in Sachen Feinstaub ein reines Gewissen – und wünsche mir mehr Differenzierung.

Der Trend geht zur Stromheizung. Welchen Platz haben Pelletheizungen 2040?

Mehr als die Hälfte unseres Stroms kommt derzeit aus fossilen Kraftwerken. Wenn wir die Energiewende schnell und bezahlbar umsetzen wollen, müssen wir auf Holzheizungen setzen. Das gilt vor allem in schlecht gedämmten, meist mit Öl beheizten Gebäuden aus den 70ern – wovon besonders viele in Bayern stehen: Die können Sie mit einer Wärmepumpe nicht sinnvoll betreiben. Und die Bewohner alter Häuser haben nicht immer das nötige Geld für eine grundlegende energetische Sanierung. Sie außen vorzulassen ist der falsche Weg.

Pelletverbandschef über den Schub für die Wärmewende

Aber Pelletheizungen sind auch teuer. Sind sie eine Anschaffung fürs Klima oder auch für den Geldbeutel?

Pelletheizungen sind teuer, weil sie Holz quasi rückstandslos verbrennen. Das braucht modernste Technologie und die ist einfach teurer. Aber: Wenn man eine alte Ölheizung ersetzt, kann man aktuell auf bis zu 35 Prozent Förderung kommen. Damit sind sie auch gegenüber Gasheizungen konkurrenzfähig.

Also sind wir auf einem guten Weg?

Zum Teil. Wichtig ist, dass die entsprechenden Entscheider sie als grundsätzlichen Unterschied zu Scheitholz begreifen. Denn wenn wir sehen, dass Pellets nur einen sehr geringen Feinstaubausstoß haben, können wir auch über höhere Fördersätze sprechen, damit auch weniger finanzstarke Haushalte umrüsten können. Denn auf Dauer werden wir weiterhin einen gewissen Abstand zu Öl- und Gaspreisen haben. Das lohnt sich dann für die Besitzer. Damit könnten wir den Pellet-Anteil bei den Heizungen auf jeden Fall verdoppeln.

Muss am Ende doch Holz aus Sibirien importiert werden?

Bisher waren wir immer Nettoexporteur, das dürfte noch eine Weile so bleiben. Aber auch in den Wäldern Mittel- und Nordeuropas wird nachhaltig gewirtschaftet. Grundsätzlich ist, auch aus Kostengründen, eine möglichst regionale Erzeugung sinnvoll. Pellets aus Kanada wären sicher nicht optimal – allerdings immer noch besser als Gas von dort.

Interview: Matthias Schneider

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