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Bleibt die jetzige Entwicklung unverändert, wird erst im Jahr 2041 ein Frauenanteil von 40 Prozent in den Vorstandsetagen erreicht. Foto: Tobias Kleinschmidt

"Braucht schärfere Maßnahmen"

Deutschland Entwicklungsland bei Frauen in Top-Positionen

In die Chefetagen deutscher Unternehmen kommt Bewegung, der Frauenanteil steigt. Aus Sicht von Frauenministerin Giffey geht es aber zu langsam voran. Die SPD-Politikerin will das Tempo erhöhen.

Frankfurt/Main (dpa) - Deutschlands Börsenschwergewichte hinken bei der Besetzung von Top-Posten mit Frauen im Vergleich zu anderen Industrieländern hinterher. Zwar stieg der Anteil von Managerinnen im Vorstand zuletzt, wie aus einer Untersuchung der gemeinnützigen Allbright Stiftung hervorgeht.

Dennoch sei Deutschland "ein klares Entwicklungsland", sagte Wiebke Ankersen, Co-Geschäftsführerin der Stiftung, der Deutschen Presse-Agentur. Deutsche Konzerne hätten noch wenig Erfahrung mit Vielfalt und inklusiver Unternehmenskultur. "Da können sie viel von amerikanischen und skandinavischen Unternehmen lernen."

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) sprach von ernüchternden Fakten. Es gehe trotz des Anstiegs des Frauenanteils in den Vorständen und Aufsichtsräten nur schleppend voran. Bleibe es bei dem Tempo, wäre erst im Jahr 2041 ein Frauenanteil von 40 Prozent in den Vorstandsetagen erreicht. "Es braucht schärfere gesetzliche Maßnahmen, um die Entwicklung zu beschleunigen. Dazu wird die Bundesregierung demnächst einen Gesetzentwurf vorlegen."

Den Angaben zufolge waren 27,8 Prozent der Vorstandsmitglieder der 30 Unternehmen aus dem US-Leitindex Dow Jones zum Stichtag 1. September 2019 weiblich. In Schweden lag der Frauenanteil in der Chefetage der Top 30 bei 22,7 Prozent, in Großbritannien waren es 22,3 und in Frankreich 19,8 Prozent. Die 30 deutschen Börsenschwergewichte im Leitindex Dax kamen auf 14,7 Prozent (Vorjahr: 13,4 Prozent).

Die Dax-Konzerne sind allerdings weiblicher und internationaler als die mittleren und kleinen börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Den Angaben zufolge haben 80 Prozent der Börsenschwergewichte inzwischen mindestens eine Frau im Vorstand, bei den mittelgroßen Firmen aus dem MDax sind es 32 Prozent und bei den Unternehmen im Kleinwerteindex SDax lediglich 20 Prozent. Ausgewertet wurden die 160 Unternehmen, die in den drei Börsenindizes notiert sind.

Insgesamt stieg die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder in den 160 Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr von 56 auf 66. Der Anteil der Managerinnen erhöhte sich von 8 auf 9,3 Prozent. Rekordverdächtig viele Wechsel hätten zu mehr neuen Frauen als sonst geführt.

Dass Managerinnen dennoch nicht schneller vorankommen, liegt nach Einschätzung der Studienautoren vor allem daran, dass sie "in den entscheidenden Machtpositionen der Unternehmen kaum vertreten sind".

Zwar saßen zum Stichtag 540 Frauen und 1172 Männer in den Aufsichtsräten der ausgewerteten Unternehmen. Das entspricht einem Frauenanteil von 31,5 Prozent (Vorjahr: 30,5 Prozent). Doch seien Managerinnen nur selten in den Ausschüssen vertreten, die die Beschlussvorlagen für das Kontrollgremium erarbeiten. Zudem sei die entscheidende Position, der Aufsichtsratsvorsitz, zu 93,8 Prozent mit einem Mann besetzt. Der Aufsichtsrat entscheidet über Vorstandspersonalien.

Die Börsenunternehmen sind gesetzlich verpflichtet, feste Zielgrößen für die Steigerung des Frauenanteils in ihren Vorständen zu nennen. Es ist allerdings möglich, als Zielgröße "null" anzugeben. Der Studie zufolge formulieren derzeit 58 der 160 Unternehmen dieses Ziel.

Frauen seien nicht schlechter qualifiziert als in anderen Ländern, aber man traue ihnen hier die Führung nicht zu, kritisierte Ankersen. "Die Politik sollte das Ehegattensplitting abschaffen, mehr "Vätermonate" beim Elterngeld einführen und im Öffentlichen Dienst einen vorbildhaften Frauenanteil von 40 Prozent in Führungspositionen durchsetzen", forderten Ankersen und Co-Geschäftsführer Christian Berg.

Die deutsch-schwedische Allbright Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein.

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