Deutschland: Europas Paradies für Familienunternehmen

- München - In Deutschland sind sie das Herz der Wirtschaft: Familienunternehmen. Von den deutschen Top-100-Firmen sind 38 unter dem beherrschenden Einfluss von Unternehmern oder Unternehmerfamilien. Ganz anders im Rest von Europa: Frankreich, Großbritannien, Spanien oder Italien - keines der Länder reicht in der Bedeutung der Clan-gesteuerten Betriebe an Deutschland heran, wie eine Studie der Bonner Unternehmensberatung Intes zeigt.

<P>Nach der Studie kommen von den 50 größten europäischen Privatunternehmen allein 26 aus Deutschland, so etwa die Rewe-Gruppe auf Platz 2 und Bosch auf Platz 3. Auf Platz 1 hat sich allerdings der Rohstoffkonzern Glencore International aus der Schweiz mit einem Umsatz von über 48 Milliarden Euro geschoben. Die große Volkswirtschaft Frankreich taucht erst auf Platz 6 mit dem Einzelhändler Intermarché´ auf, Großbritannien ist erst auf Platz 27 mit dem Handelsunternehmen John Lewis vertreten.<BR><BR>Warum aber sind die Deutschen in diesem Teil der Wirtschaft so stark? "Es liegt in erster Linie daran, dass in Deutschland die für Familienunternehmen negativen Faktoren anderer Länder fehlen", sagt Intes-Gründer Peter May, der die Analyse erarbeitet hat. In Frankreich etwa setzt die Politik laut May traditionell auf starke nationale Champions, die sich oft in staatlicher Hand befanden. Nur fünf der privaten Top-50-Betriebe in Europa kommen aus Frankreich. Noch weniger Familienunternehmen gibt in dieser Liste aus Großbritannien, das mit nur drei Firmen vertreten ist. Hier weist May auf die lange Börsentradition des Landes hin. London mit der Stock Exchange gilt seit Jahrhunderten als wichtigster Börsenplatz in Europa. "Die starke Börsentradition in Großbritannien führt dazu, dass nicht börsengehandelte Familienunternehmen einen schweren Stand haben", sagt May.<BR><BR>Die anderen wichtigen Volkswirtschaften wie Italien, Spanien oder Niederlande liegen zwischen den Extremen Deutschland auf der einen und Großbritannien auf der anderen Seite.<BR><BR>Unternehmensberater May macht auch darauf aufmerksam, dass deutsche Familienunternehmen aus Angst um die Macht im Haus oft den Gang zur Börse scheuen: "Obwohl es vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten zur Sicherung des Familieneinflusses auf das Unternehmen gibt, ist deshalb auch heute die Hemmschwelle für einen Börsengang nach wie vor groß."<BR><BR>Dass Börse nicht Machtverlust bedeuten muss, zeigen etwa die erfolgreichen Dax-Konzerne Henkel und BMW, wo Familien nach wie vor das Sagen haben. Die Abneigung gegen die Börse als Kapitalquelle könnte Familienbetriebe sogar in Gefahr bringen, wenn zum Beispiel Geld für Investitionen ansonsten teuer über Kredite besorgt werden muss.<BR><BR>May macht darauf aufmerksam, dass die ganz großen Familienunternehmen schon jetzt vor allem aus dem Handel kommen, wo weniger Kapital als in der Industrie nötig ist. Beispiele sind Aldi, Edeka, Tengelmann und der Otto-Versand. "Irgendwann ist in der Industrie eine Größe erreicht, in der Familienunternehmen kaum noch mithalten können", sagt er. Daher sind 27 der privaten Euro-Top-50-Unternehmen auch Handelsimperien.</P>

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