"In Deutschland ist ein externer Nachfolger schwer zu finden"

- Am Tag nach dem überraschenden Abtritt von Infineon-Chef Ulrich Schumacher hat das Unternehmen versucht, die verunsicherten Investoren zu beruhigen. Finanzvorstand Peter Fischl stellte sich in einer Analystenkonferenz den Fragen der professionellen Anleger. Über die wichtigsten Aspekte sprachen wir mit Guenther Hollfelder, Analyst der HypoVereinsbank.

<P>Über die Hintergründe für den Abgang von Ulrich Schumacher als Infineon-Chef gab es viele Spekulationen. Was war wirklich ausschlaggebend?<BR>Guenther Hollfelder: Es sieht so aus, dass der Druck von den Vorstandskollegen kam _ also eine Art Palastrevolution. Operativ hat Schumacher einen guten Job gemacht, aber es gab Defizite bei der Kommunikationspolitik und dem Führungsstil. Das hat teilweise zu negativer Berichterstattung über das Unternehmen und einem verhältnismäßig hohen Bewertungsabschlag der Infineon-Aktie geführt. In der Wahrnehmung der anderen Vorstandsmitglieder wurde Infineon so in ein schlechteres Licht gerückt, als es verdient gewesen wäre.</P><P>Aber an den Gerüchten, es könne auch Bilanzunregelmäßigkeiten gegeben haben, ist nichts dran?<BR>Hollfelder: Nein, das ist ausgeschlossen. Der Rücktritt hat nichts mit Buchführung oder Finanzen zu tun. Das hat Finanzvorstand Fischl ausdrücklich gesagt.<BR>Es soll auch Kritik an der Unternehmensstrategie gegeben haben. Muss man damit rechnen, dass ein neuer Chef Infineon in eine andere Richtung führt?<BR>Hollfelder: Kritik an der strategischen Ausrichtung gab es wohl nicht von den Vorstandskollegen. Die Strategie steht auch nicht zur Diskussion. Wir gehen davon aus, dass sie so weitergeführt wird.</P><P>Heißt das, dass auch eine Verlagerung des Firmensitzes, die Schumacher als Steuerspar-Modell propagiert hatte, noch denkbar ist?<BR>Hollfelder: Die mögliche Verlagerung des Firmensitzes war eigentlich vorher schon vom Tisch. Schumacher hatte das schon von der Prioritätenliste gestrichen, nachdem die Reformbewegung in Deutschland in Gang gekommen war.</P><P>"Wir sehen keine Auswirkungen auf das Geschäft."<BR>HVB-Analyst Guenther Hollfelder</P><P>Die jetzige Situation mit dem Aufsichtsrats-Vorsitzenden Max Dietrich Kley als Übergangs-Chef erinnert an die traurige Lage der Deutschen Telekom nach dem Abgang von Ron Sommer. Wer wäre als Nachfolger Schumachers denkbar?<BR>Hollfelder: Infineon hat einen vollständigen Vorstand. Da entsteht kein großes Loch. Ich kann mir vorstellen, dass man bei der Nachfolge eine interne Lösung anpeilt. Der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Andreas von Zitzewitz würde sich zum Beispiel anbieten. Er war schon bei Siemens Chef der Speicherchip-Sparte, die heute Kerngeschäft von Infineon ist. Man braucht einen Kandidaten, der in der Halbleiterindustrie erfahren ist und sich mit Speicherchips auskennt. Dafür benötigt man Spezialerfahrung. Da gibt es kaum eine externe Lösung. In Deutschland wäre so einer extrem schwer zu finden. Eventuell käme jemand aus der Beratungsbranche in Frage.</P><P>Nach Bekanntwerden der Meldung hat die Infineon-Aktie stark nachgegeben. Gestern schien sie sich zu stabilisieren. Sind die Investoren beruhigt?<BR>Hollfelder: So eine Meldung ist erst mal ein Schock. Da werden schnell Gerüchte gestreut und viele Händler springen da dann auf. Die meisten größeren Investoren im In- und Ausland, mit denen ich gesprochen habe, waren aber sehr gelassen. Wir sehen keine Auswirkungen auf das Geschäft selbst.<BR></P>

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