Deutschland schwer abgesackt

- Washington - Deutschland ist in der Konjunkturprognose 2006 des Internationalen Währungsfonds (IWF) so stark abgesackt wie kein anderes Land der Welt. Der IWF rechnet nur noch mit 1,2 Prozent Wachstum und korrigierte seine Prognose vom Frühjahr damit drastisch um 0,7 Prozentpunkte nach unten. Für dieses Jahr erwartet er unverändert 0,8 Prozent Wachstum. Damit ist Deutschland in beiden Jahren Schlusslicht unter den Industrieländern, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Weltwirtschaftsanalyse hervorgeht.

"Die hohen und schwankenden Ölpreise bleiben ein bedeutendes globales Risiko", schreibt der IWF. Das Besorgnis erregende Szenario: Weil das Angebot knapp sei, könnten die Preise weiter steigen, was Benzin verteuere und Verbraucher belaste, die wiederum ihre Ausgaben einschränkten. Gleichzeitig könne der höhere Preis die Verbraucherpreise anheizen, was Notenbanken zur Eindämmung der Inflation zu scharfen Zinserhöhungen treiben könne.

"Die Folgen für Regionen, in denen die Binnennachfrage ohnehin schwach ist - vor allem in der Euro-Zone - und für Öl importierende aufstrebende Volkswirtschaften und Entwicklungsländer könnten schwerwiegend sein", warnt der IWF.

Er schraubte seine Prognosen für praktisch alle Länder zurück, rechnet aber für die Weltwirtschaft nach wie vor mit je 4,3 Prozent Wachstum in diesem und im nächsten Jahr. Neben dem hohen Ölpreis gelten vor allem die globalen Ungleichgewichte als Risikofaktor.

Defizite und Überschüsse in den Leistungsbilanzen seien nicht geschmolzen, sondern weiter gewachsen. In diesem Jahr steige das US-Leistungsbilanzdefizit auf 6,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), bei gleichzeitig hohen Überschüssen vor allem in Japan, China und den Öl exportierenden Ländern. "Ein scharfer Einbruch in der Nachfrage nach US-Anleihen könnte gekoppelt mit protektionistischen Tendenzen eine globale Rezession auslösen", warnt der IWF.

Auch in Europa sieht der IWF vor allem Risiken. "Die erneute Schwäche in der Euro-Zone ist besonders Besorgnis erregend", heißt es. Er erwartet 1,2 Prozent Wachstum in diesem Jahr (-0,4 gegenüber der Frühjahrsprognose) und 1,8 (-0,5) Prozent 2006. Der IWF sieht jede Menge Reformbedarf und drängt Deutschland, in jedem Bereich zum Handeln: größere Flexibilität bei Lohnverhandlungen, niedrigere Steuersätze, Abstriche am Sozialnetz.

Die unmittelbaren Folgen von Hurrikan "Katrina" für die US-Wirtschaft schätzt der IWF eher gering ein. Die indirekten Kosten, besonders höhere Benzinpreise, bereiteten dagegen größere Sorge. Der IWF verweist auf die niedrige Sparrate in den USA und die Gefahr eines Einbruchs bei den Verbraucherausgaben, vor allem, wenn auch die rasant gestiegenen Immobilienpreise nachgeben. Für die USA erwartet der IWF in diesem Jahr dennoch solides Wachstum von 3,5 Prozent und im nächsten von 3,3 Prozent, 0,3 Prozentpunkte weniger als bei der Frühjahrsprognose.

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