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ifo-Chef Hans-Werner Sinn

Deutschland als "Stoßdämpfer der Welt"

Düsseldorf - Deutschland hat nach Ansicht von ifo-Chef Hans-Werner Sinn als Exportweltmeister zu lange einem falschen Geschäftsmodell angehangen und zahlt nun in der Krise die Rechnung dafür.

“Durch unsere Exportlastigkeit sind wir unfreiwillig in die Rolle des Stoßdämpfers der Welt geraten“, schrieb der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in einem Gastbeitrag für die “Wirtschaftswoche“.

Grundproblem unabhängig von aktueller Krise

Kein anderes großes Land werde derzeit von außen so stark gebeutelt wie Deutschland. Dass sich der Handelsüberschuss im ersten Quartal um 168 Milliarden Dollar verringert hat, ist laut Sinn “von der Sache her ungefähr dasselbe, als hätte unser Land zugunsten der Welt ein gigantisches Konjunkturprogramm dieser Größenordnung verabschiedet“. Das Grundproblem aber habe mit der aktuellen Krise nichts zu tun. “Über Jahre hinweg hat Deutschland mit seiner nivellierenden Lohnpolitik seine arbeitsintensiven Binnensektoren vernichtet. Das Dienstleistungsgewerbe wurde dezimiert. Die arbeitsintensiven Sektoren des Verarbeitenden Gewerbes, von der Textilindustrie bis zur Feinmechanik, gab man übermäßig rasch der internationalen Niedriglohnkonkurrenz preis“, erklärte Sinn.

Unternehmen investierten lieber im Ausland

Anstatt in Deutschland zu investieren, hätten viele Unternehmen Maschinen ins Ausland exportiert und dort die Arbeitsplätze geschaffen, deren Verlust man nun in Deutschland beklage: “Das Kapital und die Talente flohen aus den arbeitsintensiven Binnensektoren, weil sie Angst vor den Fesseln einer fehlgeleiteten Sozialpolitik hatten, die der internationalen Niedriglohnkonkurrenz mit einer Hochlohnkonkurrenz auf heimischen Arbeitsmärkten entgegentrat“, wird Sinn zitiert.

Das Wirtschaftswachstum zwischen 1995 und 2009 habe in Deutschland nur bei 14,3 Prozent gelegen, während die alten EU-Länder in dieser Zeitspanne um 27,1 Prozent wuchsen.

AP

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