Deutschland sucht den Börsen-Star

- München - Deutschland sucht den Börsen-Star - und findet ihn wieder nicht. Der erste Börsengang seit eineinhalb Jahren hätte schon am vergangenen Freitag gefeiert werden sollen. Doch der Erfurter Halbleiter-Produzent X-Fab versagte. Daraufhin lag die Hoffnung auf dem Münchner Wafer-Hersteller Siltronic, der für morgen die Erstnotierung angekündigt hatte. Doch auch der gab nun klein bei: Börsengang abgesagt. Die Postbank versucht in diesem miesen Klima gut Wetter zu machen. Sie will früher als erwartet aufs Parkett und könnte so zum "Eisbrecher" werden.

<P>"Siltronic hält an Börsenplänen fest", überschrieb das Unternehmen sein Eingeständnis, dass aus dem IPO nichts wird. Wie lange Siltronic noch festhalten will anstatt die Pläne umzusetzen, bleibt offen. Man werde den Börsengang "erst nach einer Beruhigung der Märkte fortsetzen", hieß es. "Wir stehen nicht unter Zeitdruck." Man trage mit der Absage der gestiegenen Unsicherheit an den Börsen Rechnung. "Unser Unternehmen ist bei den Investoren auf großes Interesse gestoßen. Aber über die weltpolitischen Ereignisse der letzten Zeit kann sich auch ein attraktives Unternehmen nicht hinweg setzen", beteuerte Vorstands-Chef Wilhelm Sittenthaler.</P><P>Die Anschläge von Madrid und die zuletzt rutschenden Kurse sollen also der Grund für den Rückzug sein. Es gibt auch andere Theorien. "Vor allem von privater Seite hat es wenig Interesse gegeben", hieß es beim Wertpapierhändler Lang & Schwarz. Siltronic selbst machte keine Angaben darüber, wie viele Aktien gezeichnet worden waren.</P><P>Insbesondere nach dem Fiasko von X-Fab, das erst gesetzliche Fristen versäumt und sich dann nach Ansicht von Anlegerschützern zu wenig transparent gezeigt hatte, soll das Interesse an Siltronic eingebrochen sein. Das Misstrauen wuchert, befürchtet auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in München. "Wenn so weitergemacht wird, wirkt sich das negativ auf diesen ganzen Markt aus", sagte sie. "Die Investoren wären bereit für Neuemissionen, aber wenn die Initiatoren der Börsengänge, die Investmentbanken, zu geldgierig sind und nicht kapieren, dass Anleger kritisch hinterfragen, funktioniert es nicht." Die Preisspannen seien zu hoch angesetzt worden.</P><P>Die Postbank stellt sich als Fels in der Börsen-Brandung dar. Ungerührt von den Absagen kündigte Vorstands-Chef Wulf von Schimmelmann an, dass das Unternehmen seine Börsenpläne durchzieht - sogar schneller als ursprünglich angekündigt. "Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird die Postbank-Aktie noch vor der Sommerpause erstmals auf den Kurszetteln der deutschen Börsen stehen", sagte er. Bis Mitte Juli soll es so weit sein. "Die Kapitalmärkte sind unverändert an Substanzwerten interessiert."</P><P>Aktionärsschützerin Bergdolt sieht für die Tochter der Deutschen Post die "Chance, sich als seriöses Unternehmen darzustellen, das rechtzeitig informiert und nicht versucht, alles auszureizen". Dann könne die Postbank tatsächlich zum Eisbrecher an der Börse werden, der den Gang aufs Parkett auch für andere Unternehmen frei räumt. Dennoch warnt Bergdolt: "Dass Neuemissionen Selbstläufer sind - diese Zeiten sind einfach vorbei." Das gilt aus Sicht der Anleger ebenso wie aus der der Börsenkandidaten.</P>

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