Deutschland AG wird verkauft: Die Stunde der Finanzinvestoren

- München/Frankfurt - Es ist noch nicht lange her, da zählten die Familie Flick oder die Deutsche Bank zu den typischen Großaktionären deutscher Unternehmen. Heute heißen die Eigentümer oft Blackstone, KKR oder Permira. Die Auflösung der Deutschland AG, eines in der Nachkriegszeit gewachsenen Netzwerks aus einheimischen Kapitalgebern, Banken und Industriekonzernen, hat vor allem Finanzinvestoren aus den USA und Großbritannien angelockt. Mit den Geldern ausländischer Anleger erwerben sie traditionsreiche deutsche Firmen.

<P>Diese Entwicklung steht stellvertretend für einen umfassenden Wandel in der deutschen Wirtschaft. Einstige Mischkonzerne konzentrieren sich auf ihre Stärken und stoßen Randgeschäftsfelder ab, Banken trennen sich von ihren Industriebeteiligungen. Mittelständische Unternehmer wiederum sind auf der Suche nach externen Eigentümern, wenn der eigene Nachwuchs kein Interesse zeigt. Für Börsengänge, die die Anteile eines Unternehmens breit streuen, ist das Klima aber nach wie vor rau. In diese Lücke stoßen Finanzinvestoren auf der Suche nach Perlen und Schnäppchen.<BR><BR>Im vergangenen Jahr stieg die Anzahl solcher Übernahmen in Deutschland laut einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young um 16 Prozent auf 85 und das Investitionsvolumen gegenüber 2003 sogar um zwei Drittel auf 22,5 Milliarden Euro. Blackstone kaufte die ehemalige Hoechst-Sparte Celanese für 3,1 Milliarden Euro, Konkurrent KKR Großteile des Chemiekonzerns Dynamit Nobel für 2,25 Milliarden Euro, Permira stieg mit 49 Prozent bei Rodenstock für eine nicht genannte Summe ein. "Wir erwarten für 2005 ein ähnlich hohes Niveau an Übernahmen, denn an der Ausgangslage hat sich nichts geändert", sagt Ernst & Young-Experte Wolfgang Taudte. Auch an Immobilien zeigen die Ausländer Interesse: Die Wohnungsgesellschaft Gagfah zum Beispiel ging für 2,1 Milliarden Euro an Fortress.<BR><BR>Im Fachjargon nennt sich die Branche "Private Equity", was so viel wie außerbörsliches Eigenkapital bedeutet. "Finanzinvestoren sind an der mittelfristigen Begleitung eines Unternehmens interessiert", erläutert Mark Bradshaw, Direktor bei der weltweit tätigen Private-Equity-Firma 3i in Frankfurt. Die Investoren führen Ehen auf Zeit, irgendwann kommt der Ausstieg, um Kasse zu machen. Denn sie arbeiten unter anderem mit dem Geld großer Pensionsfonds, die Renten für ihre Mitglieder erwirtschaften und zweistellige Renditen erwarten.<BR><BR>Wenn alles nicht klappt, bleibt noch der Geierfonds<BR><BR>Bis zum Verkauf einer Beteiligung müssen die Finanzinvestoren den Wert ihres Engagements gesteigert haben. Das kann zum Beispiel dadurch geschehen, dass das Unternehmen aus eigener Kraft Erfolge erzielt. Manchmal nutzen die Private-Equity-Firmen aber auch einfach nur niedrige Bewertungen für eine bestimmte Branche aus. Blackstone etwa will nur wenige Monate nach dem Celanese-Kauf einen neuen Börsengang einleiten, um Gewinne einzustreichen: So schnell hat sich die Einschätzung des Marktes zu Gunsten von Celanese verändert.<BR><BR>Typischerweise halten die Finanzinvestoren einige Jahre an ihren Beteiligungen fest. Gelingt der Verkauf über die Börse nicht, reichen sie ein Unternehmen immer häufiger an einen Konkurrenten weiter.<BR><BR>Das Risiko solcher Geschäfte ist für alle Beteiligten groß, zumal die Investitionen im Schnitt zu zwei Dritteln mit Bankkrediten finanziert werden und die Private-Equity-Firmen manchmal sogar Kapital aus ihren Unternehmen gegen Schulden entnehmen, um ihre eigenen Investoren zu bedienen. Geht die Strategie schief, hilft nur der Verkauf an so genannte Geierfonds, die auf angeschlagene Unternehmen spezialisiert sind. <BR></P>

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