Deutschlands beste Manager: Reitzle Erster, Kleinfeld Letzter

- München -­ Dass Siemens-Chef Klaus Kleinfeld derzeit in der Öffentlichkeit keine berauschenden Beliebtheitswerte erreicht, ist kein Wunder. Doch auch Managerkollegen trauen dem Vorstandsvorsitzenden von Deutschlands größtem Elektrokonzern wenig zu. Das ergab eine Befragung von 1000 Führungskräften. Andere Vertreter bayerischer Unternehmen stehen dagegen glänzend da.

Laut der Studie der Unternehmensberatung Marketing Corporation landete der wegen der Affäre um schwarze Kassen und der BenQ-Pleite in die Kritik geratene Manager mit einer Note von 3,9 auf dem letzten Platz. Der Siemens-Chef "hat schwere kommunikative Fehler gemacht, die sich jetzt niederschlagen", erklärte Manfred Niedner, Chef von Marketing Corporation. Das beziehe sich allerdings weniger auf die Affäre um schwarze Kassen oder die BenQ-Pleite als auf Ereignisse wie Erhöhung der Vorstandsgehälter um durchschnittlich 30 Prozent.

Die Studie wird alle sechs Monate erstellt und beruht auf einer Benotung deutscher Top-Manager durch 1000 Führungskräfte nach dem Schulnotensystem mit Zensuren von 1-6. Linde-Chef Wolfgang Reitzle belegte in der aktuellen Bewertung erstmals Platz eins mit einer Note von 1,8 knapp vor Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking, der die Note 1,9 erzielte. "Wolfgang Reitzle gelang es, dem soliden, aber vielleicht etwas langweiligen Ingenieurkonzern Linde frisches Leben einzuhauchen", erklärte Niedner. Auf Platz drei kommt Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche mit einer Note von 2,3.

Zwei Neueinsteiger erhielten ebenfalls gute Noten: BMW-Chef Norbert Reithofer (2,5) und der künftige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn (2,6), der bisher bei Audi tätig war. Beiden eile ein guter Ruf voraus, und vor allem hätten beide Automanager an ihren bisherigen Stellen hervorragende Arbeit geleistet, meinte Niedner. Keine Vorschusslorbeeren erhielt dagegen René Obermann. Der neue Telekom-Chef erzielte den Angaben zufolge eine mäßige 3,4.

Wenig Änderungen gegenüber der letzten Befragung gab es demnach im Mittelfeld. Allianz-Chef Michael Diekmann erhielt mit einer 3,0 (-0,2) die glatte Schulnote "befriedigend", ebenso wie Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber (-0,1). Bahnchef Hartmut Mehdorn habe mit einer Verbesserung um 0,4 Punkte und einer aktuellen Note von 3,3 den Sprung ins hintere Mittelfeld geschafft, nachdem er über Jahre die rote Laterne abonniert zu haben schien. "Die Hartnäckigkeit und Streitbarkeit von Herrn Mehdorn nötigt den befragten Führungskräften Respekt ab", interpretierte Niedner.

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