Deutschlands geheime Geldgeber

Staatsverschuldung: - Jede Sekunde steigen die deutschen Staatsschulden um 1056 Euro. Bald stehen Bund, Länder und Kommunen mit 1,5 Billionen Euro in der Kreide - nur bei wem, weiß niemand. Klar ist allerdings: Das Ausland wird als Geldgeber für Deutschland immer wichtiger.

München - Deutschland muss sparen. Das fordern nicht nur EU-Währungskommissar Joaquín Almunia und Bundespräsident Horst Köhler. Doch die Hüter der öffentlichen Kassen tun sich damit schwer. Es ist ein Fortschritt, dass der Schuldenstand von Bund, Ländern und Gemeinden jede Sekunde um 1056 Euro steigt. Im vergangenen Jahr waren es 2113 Euro, hat der Bund der Steuerzahler errechnet. Doch die finanzielle Last, die von den Steuerzahlern getragen werden muss, wiegt schwer.

1 519 000 000 000 Euro - gut 1,5 Billionen - wird am Jahresende voraussichtlich die Verschuldung der öffentlichen Haushalte betragen. 62 Prozent davon entfallen auf den Bund, 32 Prozent auf die Länder und 6 Prozent auf die Gemeinden. Selbst wenn sie alle ab sofort keinen Euro Kredit mehr aufnehmen würden und jeden Monat eine Milliarde tilgen würden, wären die Schulden erst nach 125 Jahren zurückgezahlt. Trotzdem finden sich immer noch genug Geldgeber für den Mega-Schuldner Deutschland.

Den größten Anteil haben Gläubiger aus dem Ausland. Sie haben dem deutschen Staat über 700 Milliarden Euro geliehen. Den Rest haben überwiegend Kreditinstitute (rund 500 Milliarden) und sonstige inländische Kreditgeber - Unternehmen und Privatpersonen - mit gut 300 Milliarden zur Verfügung gestellt, heißt es bei der Deutschen Bundesbank. Sie ermittelt die grobe Gläubiger-Struktur anhand von Depot-Statistiken. Doch welche Kreditinstitute die wichtigsten Geldgeber Deutschlands sind und bei welchen Staaten Bund, Länder und Kommunen in der Kreide stehen, weiß niemand.

Für den Bund organisiert die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur die Schuldenaufnahme. Sie versucht das fehlende Geld möglichst billig zu beschaffen. Sie vergibt Bundeswertpapiere an eine feste Bietergruppe. Dabei handelt es sich um 33 internationale Institute, die ein Girokonto bei der Bundesbank unterhalten und sich verpflichten, mindestens 0,05 Prozent der Bundeswertpapier-Emissionen eines Jahres zu übernehmen. Und diese können mit den Papieren machen, was sie wollen. Sie können die Papiere selbst halten, an institutionelle oder private Investoren weiterverkaufen. Und so verliert sich die Spur von Deutschlands Gläubigern. Allerdings zeigen die Bundesbank-Statistiken, dass das Ausland eine immer größere Rolle bei der Finanzierung des deutschen Defizits spielt. Stammte im Jahr 2000 gut ein Drittel der Kredite aus dem Ausland, ist es inzwischen fast die Hälfte. "Das ist auch ein Ausdruck der Globalisierung der Märkte", erklärt ein Sprecher der Finanzagentur. Und dem trägt man Rechnung - etwa, indem es auf Dollar lautende Anleihen der Bundesrepublik gibt.

Trotz des hohen Schuldenstandes gilt die Bundesrepublik als zuverlässiger Kreditnehmer. Wer ihr Geld leiht, kann auf eine sichere Rückzahlung hoffen. Und das wird wohl noch lange gelten. Selbst wenn es - wie heuer in Bayern - bei Bund, Ländern und Gemeinden ausgeglichene Haushalte gäbe - also keine neuen Schulden ­, müsste der Staat noch die Zinsen für die alten Kredite bedienen. Und dafür benötigt man ebenfalls viel Geld. Zurzeit sind das pro Jahr 66 Milliarden Euro. Fast so viel, wie für alle Schulen und Universitäten in Deutschland ausgegeben wird.

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