Deutschlands Generalsanierung: Mehr Arbeit, weniger Subventionen

- München - Es ist für viele der Frühstart in die Arbeits-Woche. Wenn am Sonntag abend Sabine Christiansen zum ARD-Polit-Schwätzchen lädt, sitzen Journalisten, Politiker und Funktionäre vor dem Fernseher. Reinhard Dörfler nicht. "Ich ertrage diese Diskussionen nicht mehr", sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK). Er will Taten sehen: verlängerte Arbeitszeiten, weniger Urlaub sowie gekürzte Eigenheimzulage, Entfernungspauschale, Kohle- und Agrarsubventionen.

<P>"Die Lage der Unternehmen ist jetzt ihren positiven Erwartungen gefolgt", sagte Dörfler im Gespräch mit unserer Zeitung. Deutschlands Wirtschaft beginnt zu wachsen. "Das heißt aber nicht, dass wir die Probleme los sind. Eine Scheinblüte, die wieder versandet, ist nicht ausgeschlossen. Das Problem Arbeitslosigkeit bleibt." Für den IHK-Funktionär ist der Zustand der Bundesrepublik der eines baufälligen Hauses. "Die Fenster sind undicht, durchs Dach regnet es rein, die Wasserleitungen rosten und die Heizung fällt aus. Wir müssen an vielen Stellen reparieren." Bundesklempner Gerhard Schröder und seine Montage-Truppe betreiben nach Dörflers Ansicht bislang Flickschusterei. "Wir haben es nicht nur mit einer Krise des Standortes zu tun, sondern mit einer Krise der Politik." Den Volksvertretern wirft Dörfler "Mittelmäßigkeit" vor. Sein Reparaturplan fürs Land ist harter Stoff - zu hart für manchen Christiansen-Gucker.</P><P>"Wir müssen mehr arbeiten und in den nächsten Jahren Lohnabschlüsse unter dem Produktivitätszuwachs machen", stellt der Unternehmer-Vertreter klar. Die durchschnittliche Jahresarbeitszeit in Deutschland liege bei 1440 Stunden pro Kopf, in Großbritannien und den USA sei sie bis zu 400 Stunden länger. Um international wettbewerbsfähig zu sein, müsse die Wochenarbeitszeit auf 40 bis 42 Stunden erhöht und die Urlaubszeit verringert werden. Die USA hätten Vorbildfunktion. Dort sei das Lohnniveau in den vergangenen Jahren gleich geblieben, während die Arbeitszeit gestiegen sei.</P><P>"Warum soll der Steuerzahler einigen den Weg in die Arbeit finanzieren?"<BR>Reinhard Dörfler</P><P>Ein Vorziehen der Steuersenkungen auf das kommende Jahr hält Dörfler "nur mit gescheitem Finanzierungskonzept" für sinnvoll. Und das schließt aus, die Steuerzahler "weitgehend über Aufnahme von Schulden" zu entlasten. "Die Steuerquote ist im internationalen Vergleich nicht so hoch, dass man sofort reagieren müsste." Er plädiert für einen kleineren Zwischenschritt auf den Steuerreformstufen im kommenden Jahr, um die Erwartungen der Menschen zu erfüllen und die Konsumlust anzuregen. Dafür sollen Subventionen gekürzt werden. "Die Entfernungspauschale und die Eigenheimzulage dürfen nicht sakrosankt sein", fordert Dörfler. "Warum soll der Steuerzahler einigen den Weg in die Arbeit finanzieren? Und wer macht die Entscheidung für den Bau eines Hauses von 32 000 Euro Förderung abhängig?" Auch bei Kohle- und Landwirtschaftssubventionen wünscht sich der IHK-Geschäftsführer lieber Kürzungen als eine noch höhere Staats-Verschuldung. "Sonst versündigen wir uns an unseren Kindern."</P>

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