Deutschlands mächtigste Gewerkschaft erklärt Krise für beendet

Leipzig - Vor vier Jahren war der Spaßfaktor für IG-Metall-Funktionäre eher gering: Nach dem verlorenen Streik in Ostdeutschland lieferten sich Reformer und Traditionalisten einen Nachfolgestreit, die mächtigste deutsche Gewerkschaft übte sich in öffentlicher Selbstzerfleischung.

Inzwischen hat sich das Bild gewandelt: Der danach einsetzende Mitgliederschwund ist fast gestoppt, die Stimmung wieder gut. Mit der Wahl einer neuen, schlagkräftigen Führung erklärte die IG Metall die Krise gestern endgültig für beendet.

Mit Berthold Huber und Detlef Wetzel wählten sich die Delegierten des Gewerkschaftstags in Leipzig ein reformfreudiges Duo an die Spitze. Nun ruht die Hoffnung von 2,3 Millionen Mitgliedern auf ihren Schultern: Auf der Agenda steht neben der Verteidigung des bröckelnden Flächentarifvertrags und dem Stopp des Mitgliederverlusts die Ausweitung des politischen Einflusses - zunächst will sich die IG Metall unter Hubers Führung vor allem für ein neues Altersteilzeitmodell starkmachen.

Der 57-Jährige sitzt seit vier Jahren als zweiter Vorsitzender in der Vorstandsetage der Frankfurter Gewerkschaftszentrale. Damit zeichnet er verantwortlich für die weitere Flexibilisierung der Tarifpolitik und die Konsolidierung der Mitgliederzahlen. Bislang traten dieses Jahr 84 259 neue Mitglieder in die IG Metall ein, zwölf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der vormalige Stuttgarter Bezirksleiter Huber gilt zudem als kommunikationsfreudig, blinde Blockadehaltung ist von ihm nicht zu erwarten.

Der scheidende Vorsitzende Jürgen Peters hatte es bereits am Montag in seinem Rechenschaftsbericht beschworen: Die IG Metall habe "einen schweren Sturm" überstehen müssen, was ihr "allen Widerständen, Widrigkeiten und Zweifeln zum Trotz" gelungen sei. Die Gewerkschaft habe ihre Krise überwunden.

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